Checkliste: Buchprojekt von Anfang an planen

24 Schritte: Bevor du eine Zeile schreibst. So planst du dein Buch richtig.

Die meisten Buchprojekte scheitern nicht am Schreiben, sondern davor: kein klares Genre, keine definierte Zielgruppe, kein Budget. Wer erst nach dem letzten Kapitel über Lektorat, Cover und Vermarktung nachdenkt, verliert Monate – und oft die Motivation. Diese Checkliste zwingt dich, die wichtigsten Entscheidungen zu treffen, bevor du die erste Zeile schreibst.

Sie ist der Startpunkt einer Serie: Nach der Planung folgen die Checklisten Manuskript fertigstellen und Buch-Launch.

Projektdefinition
  • 1
    Buch-Idee klar formulieren (1–2 Sätze)Kurz, prägnant, warum dieses Buch schreiben?
  • 2
    Genre und Subgenre definierenNicht nur „Fantasy", sondern „Dark Fantasy mit LitRPG-Elementen".
  • 3
    Zielgruppe definieren (so spezifisch wie möglich)Nicht „Leser ab 16", sondern „Frauen 18–35, Fantasy-Fan, Vollzeitjob".
  • 4
    Länge festlegen (Wortanzahl oder Seitenzahl)Roman: 70.000–120.000 Wörter. Sachbuch: 30.000–80.000.
  • 5
    Format entscheiden: E-Book, Print, beide?E-Book ist günstiger zu starten, Print später möglich.
Markt- und Genrerecherche
  • 6
    Amazon durchsuchen: Top 10 in deinem Genre anschauenWie viele Bewertungen? Wie alt? Welche Tropes sind beliebt?
  • 7
    Vergleichstitel definieren (2–5 ähnliche Bücher)Aktuelle Titel mit ähnlicher Zielgruppe: Sie zeigen dir Cover-Konventionen, Preisniveau und Kategorien.
  • 8
    Google Trends überprüfen für Thema/GenreWächst das Interesse? Sinkt es? Das beeinflusst Verkaufschancen.
  • 9
    Konkurrenzanalyse: Wie viele ähnliche Bücher gibt es?Wenige = gute Nische. Tausende = übersättigt.
  • 10
    Keyword-Recherche durchführenTools: Amazon Search Box, Google Trends, Keyword Planner.
Ressourcenplanung
  • 11
    Budget für Produktion definierenLektorat: 1.000–3.000 EUR. Cover: 300–1.000 EUR. ISBN: 70 EUR (Einzel-ISBN der MVB) oder 0 EUR mit KDP-ISBN.
  • 12
    Lektor/Korrektor aussuchen (oder selbst machen?)Ein professionelles Lektorat kostet 1.000 bis 3.000 Euro und ist fast immer die bessere Investition als ein weiteres Werbebudget.
  • 13
    Cover-Designer recherchieren und kontaktierenMindestens 2–3 Angebote einholen.
  • 14
    ISBN besorgen oder KDP-ISBN entscheidenEigene ISBN (70 EUR bei der MVB) wandert mit, wenn du den Anbieter wechselst; die kostenlose KDP-ISBN gilt nur bei Amazon. Details: ISBN beantragen.
  • 15
    Marketing-Budget festlegenRealistische Budgets: 100–500 EUR für erste Phase.
Schreibplanung
  • 16
    Schreib-Zeitplan erstellenWie viele Wörter pro Tag oder Woche? Bei 1.000 Wörtern an fünf Tagen ist ein 80.000-Wörter-Roman in 16 Wochen im Rohentwurf.
  • 17
    Outline oder Plotplan erstellenMindestens die Drei-Akt-Struktur, besser eine Kapitelübersicht mit je einem Satz pro Kapitel.
  • 18
    Charaktere definieren (Steckbriefe)Name, Ziel, Angst, Backstory. Mindestens Hauptcharaktere.
  • 19
    Setting/Welt-Details dokumentierenBesonders wichtig für Fantasy und Science-Fiction: eine Serienbibel mit Orten, Regeln und Zeitlinie.
  • 20
    Schreibsoftware festlegen (Word, Scrivener, Papyrus)Einmal entscheiden und dabei bleiben, ein Wechsel mitten im Projekt kostet Tage. Vergleich: Schreibsoftware für Autoren.
Veröffentlichungsplanung
  • 21
    Veröffentlichungs-Datum setzenMindestens 6 Monate in der Zukunft. Genug Zeit für Produktion + Marketing.
  • 22
    Marketing-Plan erstellenNewsletter aufbauen? ARCs? Ads? Influencer? Konkrete Schritte.
  • 23
    Plattformen entscheiden (KDP, Tolino, beide?)Mindestens 2 Plattformen. Mehr = bessere Chancen.
  • 24
    Plan für Serie oder nächste BücherWann kommt Band 2? Im Selfpublishing verkaufen Serien besser als Einzeltitel, weil jeder neue Band die alten mitzieht.
Tipp: Diese Checkliste gehört vor das Schreiben. Jede Stunde Planung spart später Tage beim Überarbeiten und Vermarkten.

Zielgruppe: so konkret, dass du sie ansprechen kannst

Schritt 3 ist der, bei dem die meisten zu früh aufhören. „Fantasy-Leser“ ist keine Zielgruppe, sondern ein Regal. Brauchbar wird die Beschreibung erst, wenn du daraus Entscheidungen ableiten kannst: Welche Cover-Konventionen erwartet diese Leserin? Welche Vergleichstitel hat sie zuletzt gekauft? Wo stößt sie auf neue Bücher – in Kindle Unlimited, bei BookTok, im Buchladen? Eine Zielgruppe wie „Frauen zwischen 25 und 40, lesen Romantasy-Serien in Kindle Unlimited, kaufen nach Cover und Tropes“ beantwortet alle drei Fragen. Daraus folgen Format (E-Book zuerst), Plattform (KDP mit Select) und Coverbudget (hoch, weil das Cover die Kaufentscheidung trägt).

Der Test, ob deine Zielgruppe trägt: Finde fünf Titel der letzten zwei Jahre, die genau diese Leser kaufen, und prüfe deren Amazon-Rang und Rezensionszahl. Findest du keine, gibt es die Zielgruppe nicht – oder sie liest nicht bei Amazon. Beides solltest du vor dem Schreiben wissen.

Budget: wohin das Geld tatsächlich fließt

Die Zahlen aus Schritt 11 sind Spannen, keine Mittelwerte. Ein Lektorat wird nach Normseiten oder Wörtern berechnet: Bei 0,25 Euro pro Wort kostet ein 80.000-Wörter-Roman 2.000 Euro, ein reines Korrektorat etwa ein Drittel davon. Beim Cover zahlst du für ein angepasstes Premade-Cover ab 300 Euro, für eine Einzelanfertigung mit Printumschlag 600 bis 1.000 Euro. Die ISBN ist mit 70 Euro der kleinste Posten – oder kostet nichts, wenn du die KDP-ISBN nimmst und auf Buchhandel und Anbieterwechsel verzichtest.

Was im Budget häufig fehlt: Autorenexemplare und Portokosten für Rezensenten (50 bis 150 Euro), die Pflichtexemplare für die Nationalbibliothek und ein Reservebetrag für die zweite Korrekturrunde nach der Formatierung. Wer mit 2.500 bis 4.000 Euro für ein professionell produziertes Debüt rechnet, liegt bei einem Roman realistisch; wer unter 1.000 Euro bleiben will, muss Lektorat oder Cover selbst übernehmen und sollte das als bewusste Entscheidung treffen, nicht als Ergebnis. Was Lektorat und Korrektorat genau leisten, steht im Artikel Lektorat im Self-Publishing; wie du mit kleinem Budget startest, im Artikel Self-Publishing für Einsteiger.

Der Zeitplan rechnet rückwärts

Schritt 21 verlangt ein Veröffentlichungsdatum mindestens sechs Monate in der Zukunft. Der Grund ist kein Sicherheitspuffer, sondern die Produktionskette: Lektoren haben Vorlaufzeiten von vier bis acht Wochen, das Lektorat selbst dauert zwei bis vier, die Überarbeitung danach noch einmal so lange. Dahinter kommen Korrektorat, Satz, Cover und mindestens vier Wochen für Rezensionsexemplare vor dem Erscheinungstag. Wer vom Wunschtermin aus rückwärts rechnet, sieht schnell, dass der Rohentwurf fertig sein muss, bevor er den Lektor bucht – nicht umgekehrt. Die Folgeschritte nach dem Rohentwurf stehen in der Checkliste Manuskript fertigstellen, die Wochen vor dem Erscheinen in der Checkliste Buchlaunch.

Warum sich der Aufwand lohnt

Planung klingt nach Bürokratie, ist aber Marktforschung in eigener Sache. Ein Beispiel: Wer vor dem Schreiben prüft, ob seine Nische auf Amazon überhaupt Nachfrage hat, spart sich ein Jahr Arbeit an einem Buch ohne Leser. Wie du tragfähige Nischen findest, zeigt der Artikel Nischenbuch schreiben.

Und wenn dein Projekt größer gedacht ist: Serien verkaufen sich im Self-Publishing deutlich besser als Einzeltitel, weil jeder neue Band die alten mitzieht. Ob sich das für dein Genre eignet, klärt der Artikel Buchserie planen – am besten, bevor Band 1 fertig ist.

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