Fragen & Antworten: Self-Publishing-Grundlagen

Was genau ist Self-Publishing? Was ist ein Indie-Autor? Die grundlegenden Fragen beantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenverlag und Self-Publishing?

Begrifflich sind Eigenverlag und Self-Publishing im deutschen Sprachgebrauch weitgehend synonym. Technisch kann Eigenverlag auf die Gründung eines formalen Verlages hindeuten (mit VLB-Eintrag, eigenem ISBN-Präfix). Self-Publishing meint heute oft die Veröffentlichung über Plattformen wie KDP, epubli oder tredition ohne formale Verlagsgründung.

Was ist ein Self-Publishing-Autor?

Ein Self-Publishing-Autor (auch Indie-Autor, Selfpublisher) veröffentlicht seine Bücher eigenständig, ohne traditionellen Verlag. Er übernimmt oder koordiniert: Lektorat, Cover, Formatierung, Vermarktung und Vertrieb.

Vorteil: höhere Kontrolle und deutlich höhere Tantiemen (35–85 % statt 8–15 % beim Verlag). Nachteil: mehr Eigenverantwortung, besonders beim Marketing.

Was ist ein Online-Verlag?

Der Begriff ist nicht einheitlich definiert. Gemeint sein kann: ein traditioneller Verlag, der E-Books veröffentlicht; ein Dienstleistungsverlag (Zuschussverlag), der gegen Bezahlung veröffentlicht; oder eine Self-Publishing-Plattform wie KDP oder epubli.

Achtung: Manche Online-Verlage sind tatsächlich Zuschussverlage mit hohen Kosten. Seriöse Self-Publishing-Plattformen sind kostenlos.

Was verdient ein Self-Publishing-Autor?

Die Einnahmen variieren extrem. Die Jahresumfrage des Selfpublisher-Verbands 2025 zeigt: Die Mehrheit der Befragten verdient im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Euro-Bereich pro Monat. Ein kleiner Teil erzielt vier- bis fünfstellige monatliche Einnahmen.

Entscheidend für den Erfolg sind: Qualität des Buches, professionelles Cover, Genre-Wahl, regelmäßige Neuerscheinungen und konsequentes Marketing.

Wie lange dauert es, ein Buch zu veröffentlichen?

Vom fertigen Manuskript bis zur Live-Seite auf Amazon: bei KDP 2 bis 4 Wochen, wenn Cover und Formatierung bereits vorliegen. Die technische Prüfung durch Amazon dauert 24 bis 72 Stunden. Lektorat und Cover-Erstellung kommen obendrauf – realistisch sind 6 bis 12 Wochen für den gesamten Prozess. Zum Vergleich: Traditionelle Verlage brauchen 18 bis 24 Monate vom Vertragsabschluss bis zur Buchveröffentlichung.

Brauche ich einen Verlag, um ein Buch zu veröffentlichen?

Nein. Mit Plattformen wie KDP, epubli oder tredition kannst du heute vollständig ohne Verlag veröffentlichen. Was du brauchst: ein redigiertes Manuskript, ein professionelles Cover und Grundkenntnisse im Marketing. Ein traditioneller Verlag lohnt sich, wenn du breite Buchhandels-Präsenz und ein Vorschuss-Honorar anstrebst. Zuschussverlage, die Geld für die Veröffentlichung verlangen, sind keine Alternative, sondern eine Kostenfalle.

Was kostet Selfpublishing wirklich?

Der Upload auf KDP ist kostenlos. Realistisch entstehen aber Kosten für: Lektorat (300–800 Euro), Cover-Design (200–600 Euro), Formatierung (100–300 Euro). Wer alles selbst macht, zahlt weniger – riskiert aber Qualitätsverluste. Faustregel: 500 bis 1.500 Euro sind ein sinnvolles Budget für ein erstes Buch.

Was ist der Unterschied zwischen Selfpublishing und einem Zuschussverlag?

Selfpublishing auf Plattformen wie KDP oder epubli ist kostenlos – du lädst dein Buch hoch und behältst volle Kontrolle und hohe Tantiemen. Ein Zuschussverlag (Vanity Press) nimmt 1.000 bis 10.000 Euro für Leistungen, die du anderswo günstiger bekommst. Erkennungszeichen: Telefonakquise mit Vertragsangeboten, hohe Pauschal-gebühren, vage Vertriebsversprechen.

Was bedeuten ARC und Backlist?

ARC (Advanced Reader Copy): Rezensionsexemplare, die du vor dem Launch an Buchblogger und Tester verschickst. Ziel: erste Bewertungen sammeln, die das Ranking beim Launch ankurbeln. Digitale ARCs sind kostenlos, gedruckte Exemplare kosten 2–5 Euro pro Stück über KDP.

Backlist: alle älteren Titel, die weiterhin Einnahmen generieren. Eine wachsende Backlist ist für Selfpublisher wertvoller als ein einzelner Bestseller – sie schafft passives Einkommen und macht dich in den Plattform-Algorithmen dauerhaft sichtbarer.

Wie viele Selfpublisher gibt es in Deutschland?

Schätzungen gehen von 50.000 bis 100.000 aktiven Selfpublishern im deutschsprachigen Raum aus. Der Selfpublisher-Verband Deutschland zählt mehrere Tausend Mitglieder. Der Markt wächst – konzentriert sich aber: Die Top-10-Prozent erzielen den Großteil der Einnahmen. Wer regelmäßig veröffentlicht und professionell auftritt, hat deutlich bessere Chancen als die Masse der Einmal-Veröffentlicher.

← Alle Fragen-Themen