Podcasts sind für Selfpublisher die günstigste Weiterbildung, die es gibt: kostenlos, nebenbei beim Pendeln oder Kochen, und oft aktueller als jedes Buch über Buchmarketing. Das Angebot im deutschsprachigen Raum ist überschaubar, aber die verbliebenen Formate haben Substanz. Hier ist der Überblick – mit dem, was sich zu Hosts, Schwerpunkten und Folgenzahl belegen lässt, und ohne Rangfolge nach Beliebtheit, weil dafür schlicht keine Zahlen vorliegen.
Mission Bestseller (Tom Oberbichler)
Der Dauerläufer unter den deutschsprachigen Selfpublishing-Podcasts. Tom Oberbichler startete das Format 2015, damals noch unter dem Namen „Dein Buch mit Tom Oberbichler“. Zur 300. Folge im August 2023 feierte er acht Jahre Podcast; inzwischen sind laut Apple Podcasts 332 Folgen erschienen, die jüngste vom Juni 2026. Der Rhythmus liegt bei etwa zwei Wochen.
Inhaltlich deckt Oberbichler die gesamte Kette ab: Buchplanung, Schreiben, Veröffentlichung von E-Book und Hörbuch, Launch, Online-Marketing und Mindset. Es gibt Interviews und Solofolgen. Wer einen Einstieg sucht, der nicht bei Amazon-KDP-Technik stehen bleibt, sondern auch die unternehmerische Seite des Autorendaseins behandelt, ist hier richtig. Website: mission-bestseller.com.
Verlagsniveau! – Der Selfpublishing Podcast
Der Untertitel sagt, worum es geht: „Finanzielle Freiheit mit Print on Demand Büchern auf Amazon“. Tom Schmidt (Nomad Publishing) und Jonathan Kuhla senden seit 2021 wöchentlich, Apple Podcasts zählt 286 Folgen. Themen sind Nischenrecherche, Profitabilität von Buchprojekten, KDP-Strategien, Sichtbarkeit bei Amazon, KI im Workflow und saisonale Projekte wie das Weihnachtsgeschäft.
Klartext zur Einordnung: Das ist kein Podcast für Romanautoren. Es geht um Bücher als Produkt, oft ohne dass der Publisher selbst Autor ist. Wenn du Sachbücher oder Low-Content-Bücher als Geschäftsmodell betrachtest, ist das Format nah dran an der Praxis. Wenn du Belletristik schreibst, wirst du wenig mitnehmen.
Buchmarketing Cafe (Stefanie Penz)
Stefanie Penz betreibt unter der Marke texthungrig Buchvermarktung für „Selbstverleger und Verlagsautoren“, die „mehr Leser für ihre Romane und Sachbücher“ wollen. Der Podcast läuft seit 2018 in unregelmäßigem Rhythmus; Ende 2025 waren rund 28 Folgen erschienen. Schwerpunkte: Autorenmarke, Amazon-Werbung, Social Media, Newsletter-Aufbau und Verkaufsoptimierung.
Wenig Folgen, dafür fokussiert. Wer die Grundlagen aus unserem Artikel Buchmarketing für Self-Publisher kennt und tiefer in einzelne Kanäle einsteigen will, findet hier konkrete Anleitungen. Alle Episoden: texthungrig.com.
Schreibzeug (Diana Hillebrand und Wolfgang Tischer)
„Die eine schreibt, der andere nicht.“ Autorin und Schreibdozentin Diana Hillebrand und Literaturkritiker Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) sprechen über Schreibtechnik, Bücher, Veröffentlichungen und den Beruf Autor – ohne vorherige Absprache, nur das Thema steht fest. Folge 115 erschien am 22. August 2026, das Format ist also aktiv.
Schreibzeug ist kein reiner Selfpublishing-Podcast, sondern ein Schreibpodcast mit Branchenblick. Genau das macht ihn wertvoll: Tischer kommentiert seit Jahren Selfpublishing-Themen kritisch, und die Außenperspektive des Nicht-Autors täuscht nicht über Schwächen hinweg. Website: schreibzeug.podigee.io.
Buch schreiben – Der Bookerfly Podcast
Der Podcast des Bookerfly Clubs richtet sich laut eigener Beschreibung an „angehende Autorinnen & Autoren“. Die drei Hosts Janet, Jennifer und Eva-Maria geben wöchentlich Tipps für den Weg zum ersten Buch und für den Schreiballtag. Seit 2022 sind laut Apple Podcasts 242 Folgen erschienen. Der Fokus liegt stärker auf dem Schreiben und weniger auf Vertrieb und Tantiemen – für Einsteiger vor dem ersten Manuskript passt das, für erfahrene Selfpublisher weniger.
Der Selfpublisher-Podcast (Henri Apell) – das Archiv
Henri Apells „Der Selfpublisher-Podcast – Denn Selfpublisher haben eine Stimme!“ war jahrelang die erste Adresse für Interviews mit deutschen Indie-Autoren. Die letzte Folge auf der Website stammt allerdings vom 31. März 2020, das Verzeichnis iVoox listet 86 Episoden. Neue Folgen gibt es nicht, aber die Interviews zu Buchmarketing, Low-Content-Büchern und E-Book-Verkauf sind weiterhin abrufbar unter selfpublisherpodcast.de. Manches davon ist technisch überholt, die Grundfragen des Selbstverlegens sind es nicht.
Blick über den Tellerrand: The Self Publishing Show
Wer Englisch hört, kommt an Mark Dawsons „The Self Publishing Show“ nicht vorbei. Seit 2016 sind 461 Folgen erschienen, wöchentlich, aktuell moderiert von James Blatch. Themen sind Buchmarketing, Werbung, KI-Tools und Leserbindung mit großen Namen der internationalen Indie-Szene. Vieles davon – etwa Meta Ads oder Amazon-Werbung – lässt sich auf den deutschen Markt übertragen, anderes wie Preisaktionen scheitert an der Buchpreisbindung.
Ein Podcast ersetzt keine eigene Auswertung deiner Verkaufszahlen. Hör nicht alles, sondern die zwei Formate, die zu deinem Genre und deiner Phase passen – und setze pro Folge eine Sache um.
Fazit
Für Romanautoren sind Mission Bestseller und Schreibzeug die sinnvollste Kombination: Strategie plus Handwerk. Für Sachbuch- und Low-Content-Publisher lohnt Verlagsniveau!, für Marketingfragen das Buchmarketing Cafe. Und wenn du Englisch hörst, ist die Self Publishing Show der Ort, an dem Trends meist ein Jahr früher auftauchen als hierzulande.
Quellen: Mission Bestseller bei Apple Podcasts, mission-bestseller.com (Folge 300), Verlagsniveau! bei Apple Podcasts, texthungrig.com, Schreibzeug