Was ist die EAA und warum gilt sie?
Der European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) ist eine EU-Richtlinie, die die Mitgliedstaaten bis zum 28. Juni 2022 in nationales Recht umsetzen mussten. In Deutschland ist das das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Seit dem 28. Juni 2025 gelten die Pflichten. Für Dienstleistungsverträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden, gibt es eine Übergangsregel bis zum 27. Juni 2030 (§ 38 BFSG). Das Gesetz fordert, dass digitale Produkte und Dienstleistungen – einschließlich E-Books – für Menschen mit Behinderungen barrierefrei nutzbar sind. E-Books, die seit dem 28. Juni 2025 neu erscheinen, müssen die Anforderungen von Anfang an erfüllen.
Gibt es Ausnahmen?
Ja, und die dürfte dich betreffen. § 3 Abs. 3 BFSG nimmt Kleinstunternehmen dauerhaft von den Pflichten für Dienstleistungen aus: weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme. Das Anbieten von E-Books gilt als Dienstleistung. Nach herrschender Lesart – so lesen es literaturcafe.de und tolino media – sind Selfpublisher als Kleinstunternehmer damit befreit. Eine zeitliche Befristung gibt es nicht. Trotzdem drei Gründe, nicht die Hände in den Schoß zu legen: Dokumentiere, dass du Kleinstunternehmer bist, falls jemand nachfragt. Plattformen können Konformität in ihren Upload-Bedingungen verlangen – tolino media akzeptiert seit dem 23. Juni 2025 nur noch EPUB3. Und wer außerhalb Deutschlands verkauft, unterliegt dort der jeweiligen nationalen Umsetzung.
Was wird technisch gefordert?
Die EAA fordert im Kern: alt-Texte für Bilder (damit Screenreader beschreiben können, was zu sehen ist), eine logische Navigationsstruktur (Überschriften, Inhaltsverzeichnis, Lesezeichen), korrekte Lesereihenfolge (damit Screenreader die Kapitel in der richtigen Reihenfolge vorlesen), aussagekräftige Farben kombiniert mit Text (Farbe allein als Informationsträger reicht nicht) und barrierefrei nutzbare Suchfunktionen. Für EPUB bedeutet das konkret: Strukturiertes HTML, semantische Auszeichnung, und Tests mit Barrierefreiheits-Tools.
Wie prüfst du deinen EPUB-Bestand?
Starte mit NVDA (Non-Visual Desktop Access), einem kostenlosen Screenreader für Windows. Lies dein EPUB damit durch. Wenn es holprig wirkt oder Bilder nicht beschrieben werden, hast du ein Problem. Für gründlichere Checks: Nutze EPUBCheck von W3C (kostenlos, kommandozeilenbasiert) oder kommerzielle Lösungen wie Ace by DAISY. Du kannst auch dein EPUB in einen Editor wie Calibre laden und die Struktur anschauen. Fehlende Alt-Texte sind oft das Hauptproblem.
Konsequenzen bei Nichtbeachtung
Für alle, die nicht unter die Kleinstunternehmer-Ausnahme fallen: § 37 BFSG sieht Bußgelder bis zu 100.000 Euro vor, bei Informations- und Kennzeichnungsverstößen bis zu 10.000 Euro. Plattformen wie tolino media können dir den Upload verweigern, wenn dein EPUB nicht ihren Anforderungen entspricht. Und deine Leserschaft mit Sehbehinderungen können dein Buch nicht nutzen – das ist nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch ein Problem.
Quellen: Richtlinie (EU) 2019/882, BFSG § 37, BFSG § 38, Bundesfachstelle: FAQ E-Books, literaturcafe.de, tolino media, Härting