Hörbuchmarkt 2025: Plateau statt Boom – was die offiziellen Zahlen für Selfpublisher bedeuten

Studiomikrofon mit Popschutz vor einem Notenständer im Tonstudio
Hörbuch-Umsatz plus 13,2 Prozent, E-Books bei null: Der Audiomarkt wächst – aber nicht mehr durch neue Hörer. (Foto: Pexels)

Der Hörbuchmarkt hat 2025 um 13,2 Prozent zugelegt. Das ist die offizielle Zahl aus der Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins vom 9. Juli 2026, Basis ist der Media Control Hörbuch Kompass. Zum Vergleich: 2024 waren es 7,3 Prozent, der Gesamtbuchmarkt schrumpfte 2025 um 2,7 Prozent auf 9,619 Milliarden Euro, und E-Books traten mit ±0,0 Prozent auf der Stelle. Trotzdem sprach das Börsenblatt schon im Dezember 2025 von einem Plateau. Beides stimmt – und genau dieser Widerspruch entscheidet, ob sich ein Hörbuch für dich lohnt.

Die Zahlen: Wachstum ohne neue Hörer

Die Umsatzanteile 2025 laut Börsenverein: Download 47,4 Prozent, Streaming 47,2 Prozent, CD 5,3 Prozent. Streaming wuchs um 23,1 Prozent, Downloads um 9,2 Prozent, die CD verlor 18,6 Prozent. Gegenüber 2022 hat sich Streaming um 57,9 Prozent gesteigert, die CD hat sich fast halbiert (minus 49,5 Prozent). Bei den Anteilen steht Audible übrigens in der Download-Spalte, weil das Abo auf Einzelabruf beruht; BookBeat, Nextory und Storytel zählen als Streaming.

Warum trotzdem „Plateau“? Das Börsenblatt schrieb am 23. Dezember 2025 unter Berufung auf Börsenverein, GfK und ARD/ZDF-Onlinestudie, dass die Hörerzahlen konstant bleiben und keine nennenswert neuen Zielgruppen hinzukommen. Das Wachstum entsteht durch intensivere Nutzung, mehr Formate und Differenzierung, nicht durch mehr Menschen. Die Käuferzahl digitaler Hörbücher stieg 2025 laut Börsenverein um 3,9 Prozent auf 4,2 Millionen – bei 13,2 Prozent mehr Umsatz. Die Bestandshörer geben also mehr aus.

Gleichzeitig wächst das Angebot: 14.900 digitale Neuerscheinungen im DACH-Raum 2025, nach 13.500 im Vorjahr, im Schnitt 6,6 Stunden lang, 36 Prozent davon Serien. Thriller und Spannung liegen bei 20 Prozent der Neuerscheinungen (plus 3 Punkte), Fantasy bei 12 Prozent (plus 2), Liebesroman stabil bei 17 Prozent, Kinderhörbuch fällt auf 10 Prozent (minus 4). Und: Selfpublisher haben laut Börsenblatt ihren Produktionsanteil nach einem Rückgang 2024 wieder deutlich ausgebaut. Colin Hauer von Hörbuch Hamburg warnte in dem Beitrag vor Überproduktion – Relevanz und Auswahl blieben entscheidend.

Vertrieb: Findaway ist weg, tolino media ist da

Die Vertriebslandschaft hat sich innerhalb eines Jahres komplett gedreht. Findaway Voices, jahrelang der Standard-Distributor für Indie-Hörbücher, wurde zum 1. August 2025 eingestellt. Spotify hatte den Dienst im Oktober 2023 gekauft und teilte ihn dann auf: Spotify for Authors für den Upload direkt zu Spotify, das neue Unternehmen INaudio für alle anderen Plattformen und Bibliotheken. Bestehende Konditionen blieben laut ALLi unverändert.

Seit dem 1. April 2026 gibt es die deutsche Alternative: tolino media verteilt Hörbücher von Selfpublishern an Apple Books, BookBeat, Deezer, Google Play, Rakuten Kobo, RTL+, Skoobe, Spotify, Thalia und tolino Audiobook. Du bekommst 70 Prozent vom Nettoerlös, ohne Vertriebsgebühr, die Produktion musst du selbst organisieren. Michael Döschner-Apostolidis von tolino media begründete den Schritt so: „Der Audiomarkt wächst rasant und wir möchten unabhängigen Autorinnen und Autoren ermöglichen, an diesem Wachstum teilzuhaben.“

Der Streaming-Schub hat einen konkreten Auslöser: Seit dem 17. April 2025 sind Hörbücher in Spotify Premium auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz enthalten, 12 Stunden pro Monat (in den USA 15), rund 350.000 Titel, weitere 10 Stunden kosten in Deutschland 9,99 Euro. Wer über tolino media oder Spotify for Authors bei Spotify liegt, ist Teil dieses Katalogs. Details zu allen Wegen findest du im Wissensartikel Hörbuch selbst veröffentlichen.

Was ein Hörbuch kostet

Die Rechnung hat sich seit Jahren nicht grundsätzlich geändert. ACX, die Produktionsplattform von Audible, nennt als Richtwert rund 200 Dollar pro fertiger Stunde (PFH, per finished hour) für die Sprecherleistung und weitere 200 Dollar PFH für die Postproduktion, zusammen 300 bis 400 Dollar PFH. Etwa 9.300 Wörter ergeben eine Stunde fertiges Audio; für eine Stunde Ergebnis fallen im Schnitt vier Stunden Arbeit an. Ein Roman mit 90.000 Wörtern ist also knapp zehn Stunden lang und kostet in dieser Rechnung 3.000 bis 4.000 Dollar – ohne dass ACX deutschen Autoren offensteht.

Faustregel
Rechne mit 300 bis 400 Euro pro fertiger Stunde für Sprecher plus Schnitt. Bei 70 Prozent vom Nettoerlös und einem Streaming-Markt, der pro gehörter Minute abrechnet, musst du diese Summe erst einmal wieder einspielen – das gelingt vor allem Serien und Genres mit hoher Hörfrequenz wie Thriller, Romance und Fantasy.

Was das für dich bedeutet

Unsere Einordnung: Das Plateau ist kein Grund, das Hörbuch abzuschreiben, aber ein Grund, es nüchtern zu rechnen. Der Markt wächst zweistellig, doch nicht die Zahl der Hörer, sondern die Zahl der Titel, die um dieselben Ohren konkurrieren. 14.900 Neuerscheinungen bei 4,2 Millionen Käufern heißt: Sichtbarkeit ist das Problem, nicht Verfügbarkeit.

  • Mit dem Backlist-Bestseller starten, nicht mit dem Debüt. Nur ein Buch, das sich als E-Book beweist, verdient die Produktionskosten.
  • Streaming einkalkulieren: 47 Prozent des Umsatzes laufen über Abos, die pro Minute vergüten. Lange, seriell angelegte Titel profitieren.
  • Distribution über tolino media oder Spotify for Authors prüfen – ACX bleibt für deutsche Autoren verschlossen.

Die einzelnen Schritte von Sprechersuche bis Upload haben wir in der Checkliste Hörbuch produzieren zusammengefasst.

Quellen: Börsenverein: Buchmarkt kompakt 2025/2026, Börsenblatt, Techbook, ALLi, BuchMarkt