Rakuten Kobo hat sein Lese- und Hör-Abo Kobo Plus am 27. Mai 2026 in sechs weiteren Ländern gestartet: Tschechien, Griechenland, Luxemburg, den Philippinen, Polen und Rumänien. Nach eigenen Angaben ist die Flatrate damit in 34 Regionen verfügbar. Der größte E-Book-Markt Europas fehlt weiterhin: Deutschland. Österreich ebenfalls.
Für dich als Selfpublisher ist das trotzdem eine Nachricht mit Substanz. Denn Kobo Plus funktioniert anders als Kindle Unlimited – und die Schweiz ist seit 2024 dabei.
Wie Kobo Plus abrechnet
Kobo Writing Life, die Selfpublishing-Plattform von Kobo, beschreibt das Modell in der Hilfe so: Autoren werden „for every minute read or listened“ bezahlt, „including re-reads, and even if a reader reads less than 10% of the book“. Abgerechnet wird also pro gelesener oder gehörter Minute, nicht pro Seite. Wiederholtes Lesen zählt mit, Abbrecher nach wenigen Seiten ebenfalls.
Die Höhe des Minutenpreises legt Kobo nicht fest. Draft2Digital erklärt auf seiner Partnerseite, dass der Auszahlungstopf von der Zahl der Abonnenten abhängt: „The Kobo Plus Payout Model is based on the number of readers subscribing to and reading books.“ Mehr Abonnenten, mehr Geld im Topf – das Prinzip kennst du vom KDP-Select-Fonds. Der entscheidende Unterschied steht in beiden Quellen ausdrücklich: keine Exklusivität. Kobo schreibt: „there is no exclusivity required. You keep full control of your work“. Du kannst denselben Titel parallel bei Amazon, Tolino und Apple verkaufen. Bei Kindle Unlimited geht das nicht.
Kobo behauptet zudem, dass das Abo den Einzelverkauf nicht kannibalisiert: Bei Autoren mit Titeln in Kobo Plus seien die A-la-carte-Verkäufe „steady (and for some, have increased)“ geblieben, die Abo-Erlöse kämen obendrauf. Das ist eine Aussage des Anbieters, keine unabhängige Studie. Plausibel ist sie trotzdem, weil Kobo-Abonnenten und Kobo-Käufer sich in den meisten Märkten kaum überschneiden dürften.
So kommst du rein
Zwei Wege führen in das Abo:
- Direkt über Kobo Writing Life: Im Dashboard unter „Rights and Distribution“ schaltest du einen Titel für alle oder für ausgewählte Länder frei. Wer die Option „alle aktuellen und künftigen Standorte“ gewählt hat, ist in den sechs neuen Ländern automatisch dabei. Kobo nennt das „Set it and forget it“.
- Über Draft2Digital: Der Aggregator bietet ein Opt-in im eigenen Dashboard und zeigt Verkäufe und Tantiemen aus Kobo Plus dort an. Wie das grundsätzlich läuft, steht in unserer Draft2Digital-Anleitung.
Beide Wege kosten nichts extra. Bei Draft2Digital zahlst du die übliche Aggregator-Provision, dafür sparst du dir ein weiteres Konto.
Die Schweiz ist dein Hebel
Deutschland und Österreich stehen nicht auf der Länderliste. Die Schweiz schon: Dort ist Kobo Plus seit dem 28. Mai 2024 verfügbar, mit drei Varianten – „Read“ für E-Books und „Listen“ für Hörbücher zu je 9,99 CHF im Monat, das Kombi-Abo für 12,99 CHF. Zum Start warb Kobo mit über 1,3 Millionen E-Books und mehr als 100.000 Hörbüchern im Katalog.
Das heißt: Deutschsprachige Titel, die du für Kobo Plus freischaltest, erreichen Schweizer Abonnenten heute schon. Viel Geld wird das für die meisten nicht sein – die Deutschschweiz ist ein kleiner Markt. Aber es kostet dich einen Klick, und du gibst keine Exklusivität ab. Faustregel: Wenn du ohnehin bei Kobo oder Draft2Digital veröffentlichst und nicht in KDP Select bist, gibt es keinen Grund, Kobo Plus nicht zu aktivieren.
Kobo nennt keinen Grund für die Lücke. Unsere Einordnung: Der deutsche E-Book-Markt wird von Amazon und der tolino-Allianz dominiert, Kobo spielt hier eine Nebenrolle. Ein Abo braucht Abonnenten – die müsste Kobo hierzulande erst gewinnen.
Was es in Deutschland stattdessen gibt
Die Lese-Flatrate der tolino-Allianz heißt bei Thalia „Lese-Flat“ und basiert auf Skoobe. Die Basisvariante kostet 12,99 € im Monat (im Jahresabo 11,99 €), die Standardvariante 14,99 €. Thalia wirbt mit über 500.000 E-Books von mehr als 4.800 Verlagen, nutzbar auf tolino-Readern, in der Skoobe-App und im Web-Reader. Ob und wie deine Titel dort landen, hängt von deinem Distributor ab – einen direkten Opt-in-Schalter wie bei Kobo Writing Life gibt es für Selfpublisher nicht.
Und dann ist da Kindle Unlimited. Es bleibt in Deutschland das einzige Abo mit echter Reichweite für Selfpublisher – um den Preis der Exklusivität. Die Selfpublisher-Umfrage 2026 zeigt, dass 83 Prozent der Top-Verdiener in KDP Select stecken. Das ist der Maßstab, an dem sich Kobo messen lassen muss. Solange Kobo Plus in Deutschland fehlt, ist es für deutschsprachige Autoren ein Nebenkanal. Ein kostenloser, nicht-exklusiver Nebenkanal allerdings. Aktiviere ihn.
Quellen: Kobo Writing Life Blog, KWL-Hilfe: What is Kobo Plus, Kobo: Start in der Schweiz, Draft2Digital: Kobo Plus, Thalia Lese-Flat