Was Draft2Digital ist und wie es funktioniert
Draft2Digital (D2D) ist ein Aggregator: Du lädst dein E-Book einmal hoch, D2D liefert es an die angeschlossenen Shops und Bibliotheksdienste aus, sammelt die Abrechnungen ein und zahlt dir den Erlös gesammelt aus. Das Unternehmen sitzt in Oklahoma City, ist seit 2012 am Markt und hat 2022 Smashwords übernommen. Für deutschsprachige Autoren ist D2D vor allem der kürzeste Weg zu Apple Books, Kobo, Barnes & Noble und zu den Bibliotheksplattformen; den tolino-Verbund beliefert D2D ebenfalls.
Zwei Grenzen solltest du kennen, bevor du dich anmeldest: Amazon beliefert D2D nur für Konten, die Amazon dafür freigeschaltet hat; für alle anderen bleibt KDP der direkte Weg. Und Google Play Books bedient D2D gar nicht; dorthin kommst du nur über das Partner Center (Google Play Books für Self-Publisher).
Welche Plattformen erreichst du über D2D
Die Kanäle, die D2D im Oktober 2026 nennt, lassen sich einzeln an- und abschalten:
- Shops: Apple Books, Kobo (inklusive Kobo Plus), Barnes & Noble, tolino, Smashwords, Bookshop.org, Everand, Vivlio, Gardners
- Bibliotheken: OverDrive (Libby), cloudLibrary, Hoopla, BorrowBox
- Print: D2D Print, schwarz-weiße Taschenbücher mit 32 bis 1.050 Seiten, verkauft über Amazon und das Ingram-Netz (Barnes & Noble, US-Buchhandel)
Für den deutschen Markt zählen davon vor allem tolino, Apple und Kobo; die Onleihe deutscher Bibliotheken läuft nicht über D2D, die vier Bibliotheksdienste sind überwiegend im englischsprachigen Raum relevant. D2D Print ersetzt keinen deutschen Print-on-Demand-Anbieter: Es gibt keinen VLB-Eintrag, deutsche Buchhandlungen können den Titel also nicht bestellen.
Was D2D kostet
D2D behält rund 10 Prozent des Verkaufspreises, nicht 10 Prozent deines Honorars. Der Unterschied ist spürbar: Apple und Kobo zahlen 70 Prozent vom Listenpreis an den Vertrieb; direkt bekommst du diese 70 Prozent, über D2D etwa 60 Prozent. Bei einem E-Book für 4,99 Euro sind das rund 3,00 statt 3,49 Euro pro Verkauf.
Dazu kommen seit 2026 zwei Gebühren, die es vorher nicht gab: Neue Konten zahlen einmalig 20 US-Dollar Aktivierung. Und Konten, die in zwölf Monaten weniger als 100 Dollar Nettoerlös über D2D erzielen, zahlen seit dem 14. Mai 2026 eine Wartungsgebühr von 12 Dollar pro Jahr; im ersten Jahr und bei Konten ohne Titel im Vertrieb entfällt sie. Hintergründe in der News Draft2Digital führt neue Gebühren ein.
Upload-Prozess Schritt für Schritt
- Konto anlegen auf draft2digital.com, Steuerformular (W-8BEN für Nicht-US-Bürger) und Auszahlungsweg hinterlegen. Ohne Steuerformular behält D2D 30 Prozent US-Quellensteuer ein.
- Datei hochladen: fertiges EPUB oder eine Word-Datei. Der D2D-Konverter baut aus Word ein sauberes EPUB mit Inhaltsverzeichnis, Titelei und Endseiten; Formatvorlagen für Überschriften sind Voraussetzung, manuelle Leerzeilen zerstören die Kapitelerkennung.
- Cover: JPG oder PNG, mindestens 1.600 × 2.560 Pixel, Seitenverhältnis 1:1,6 (dieselbe Datei wie bei KDP).
- Metadaten: Titel, Untertitel, Autorname, Beschreibung, Kategorien (BISAC), Schlagwörter, Sprache, Serie, Erscheinungsdatum. ISBN: eigene eintragen oder die kostenlose D2D-ISBN nehmen, die nur innerhalb von D2D gilt.
- Preis: in US-Dollar, D2D rechnet in die Shop-Währungen um; für Deutschland setzt du den Euro-Preis manuell, damit er der Buchpreisbindung entspricht und mit KDP und tolino übereinstimmt.
- Kanäle wählen und veröffentlichen. Apple und Kobo listen meist innerhalb von ein bis drei Tagen, tolino und die Bibliotheksdienste brauchen bis zu zwei Wochen.
Wann D2D, wann Direktvertrieb?
D2D passt, wenn du ohne KDP Select „wide“ verkaufst, mehrere Titel pflegst und dir die Einzelkonten bei Apple, Kobo und den Bibliotheken sparen willst. Jede Preisänderung und jede neue Buchbeschreibung erledigst du einmal statt viermal. Direkt lädst du hoch, wenn ein einzelner Shop den Großteil deines Umsatzes bringt (dann zahlen sich die zehn Prozent aus), wenn du Apples Vorbestellungs- und Aktionswerkzeuge im vollen Umfang nutzen willst oder wenn dein Konto unter der 100-Dollar-Grenze bleibt und die Jahresgebühr dich stört.
KDP Select und D2D schließen sich für denselben Titel aus: Select verlangt Exklusivität, also müssen alle D2D-Kanäle für diesen Titel abgeschaltet sein. Viele Autoren fahren zweigleisig: Serienstarts exklusiv bei Amazon, Backlist und Einzeltitel wide über D2D.
Werkzeuge: Universal Book Links, Serien, Endseiten
Drei Funktionen machen D2D über den Vertrieb hinaus nützlich. Universal Book Links (books2read.com) bündeln alle Shop-Links eines Titels unter einer Adresse, die du in Newsletter und Social Media verwenden kannst; der Leser landet automatisch im Shop seines Landes. Serien legst du einmal an, D2D meldet die Reihenfolge an die Shops. Und die automatischen Endseiten („Auch von diesem Autor“, Newsletter-Hinweis, Leseprobe des nächsten Bandes) aktualisieren sich in allen bereits veröffentlichten Titeln, sobald ein neuer erscheint. Für Autoren mit Backlist ist das der eigentliche Zeitgewinn.
Auszahlung und Abrechnung
D2D zahlt monatlich um den 15. aus, sobald der Mindestbetrag erreicht ist: 10 Dollar per PayPal oder US-Lastschrift, 20 Dollar per internationaler Überweisung oder Payoneer, 100 Dollar per Scheck. Die Shops melden ihre Verkäufe mit Verzögerung; die Umsätze eines Monats erscheinen daher meist zwei Monate später in der Auszahlung. Berichte gibt es je Shop, Land und Titel, exportierbar als CSV. Die Oberfläche und der Support sind englisch, Antworten kommen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Werktagen.
Quellen: Draft2Digital FAQ und Preisseite (Oktober 2026), D2D-Ankündigungen zu Aktivierungs- und Wartungsgebühr (April 2026). Das Anbieter-Porträt mit Vor- und Nachteilen: Draft2Digital im Überblick.