Die Neopubli GmbH hat am 10. September 2025 eine dritte Marke gestartet: Autaria. Neben epubli (seit 2008) und neobooks (seit 2010) richtet sich das Berliner Unternehmen aus der Holtzbrinck Publishing Group damit an Selfpublisher, die ihr Buch nicht per Print-on-Demand, sondern im klassischen Auflagendruck produzieren wollen. Das ist ein bemerkenswerter Schritt, denn Print-on-Demand (PoD) ist seit fast zwei Jahrzehnten das Fundament des Selfpublishings. Autaria will genau davon weg.
Was Autaria anbietet
Die Eckdaten stehen auf der Website des Anbieters. Du veröffentlichst „ab 500 Exemplaren im Auflagendruck“, gedruckt entweder bei Autaria oder bei einer Druckerei deiner Wahl. Autaria lagert die Exemplare ein und übernimmt den Vertrieb: ISBN, Eintrag im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) inklusive VLB-TIX Premium, Vorbestellfunktion und Anbindung an die drei Barsortimente Libri, KNV und Umbreit. Damit ist dein Titel für jede Buchhandlung in Deutschland bestellbar – ob sie ihn ins Regal stellt, ist eine andere Frage, dazu gleich mehr.
Beim Honorar nennt Autaria 30 Prozent vom Ladenpreis, „unabhängig von Shop oder Vertriebsweg“, ausgezahlt monatlich. Die Rechenbeispiele auf der Seite: Bei 16 € Verkaufspreis bleiben 4,80 € pro Exemplar, bei 24 € sind es 7,20 €. Wichtig ist der kleingedruckte Hinweis darunter: „Druck- und Lagerkosten sind im Honorar nicht inkludiert.“ Die 30 Prozent sind also kein Gewinn, sondern der Erlös, von dem du deine Auflage erst noch bezahlen musst. Der Vertrag gilt laut Anbieter für eine Buchausstattung mit einem Jahr Laufzeit. Als Zielgruppe nennt der Selfpublisher-Verband in seiner Vorstellung Autoren „mit etablierter Reichweite und verlässlichen Verkaufsprognosen“. Genau so solltest du es lesen: Autaria ist nichts für das erste Buch.
Wer dahintersteht
Neopubli sitzt in Berlin, gehört zu Holtzbrinck und beziffert sich auf der eigenen Website mit 21 Mitarbeitern, „über 30.000“ Autoren und „über 100.000“ aktiven Publikationen. Geführt wird das Unternehmen von Sebastian Stude (CEO), Tobias Schulze Darup (CMO) und Jörg Grönefeld (CFO). Das Autorenportal Autorenwelt beschreibt den Anspruch der neuen Marke so: Autaria vereine „die Vorteile von Selfpublishing und klassischem Verlagswesen“.
Das ist Marketing, aber nicht ohne Kern. Ein Verlag druckt Auflagen, lagert sie und liefert über das Barsortiment. Ein Selfpublisher bei epubli, BoD oder KDP lässt jedes Exemplar einzeln drucken, wenn es bestellt wird. Autaria schiebt sich dazwischen: Du trägst das Auflagenrisiko wie ein Verleger, behältst aber die Rechte und die Preishoheit wie ein Selfpublisher.
Auflagendruck oder Print-on-Demand: Wann lohnt sich was?
Print-on-Demand ist im Selfpublishing die Regel: Bei tredition, BoD, epubli oder KDP Print wird jedes Exemplar erst gedruckt, wenn es bestellt ist. Kein Lager, kein Risiko, dafür ein höherer Stückpreis. Auflagendruck dreht das um: Du zahlst vorab für 500 oder 1.000 Exemplare, bekommst dafür einen deutlich niedrigeren Stückpreis und Veredelungen wie Farbschnitt oder Prägung, die im PoD kaum möglich sind – und trägst das Risiko, auf der Auflage sitzen zu bleiben. Wer 500 Bücher drucken lässt, braucht außerdem jemanden, der sie lagert und an den Handel ausliefert. Genau diese Lücke will Autaria schließen.
Auflagendruck rechnet sich, wenn du die Auflage realistisch verkaufst – über Lesungen, einen eigenen Shop, Messen oder eine belastbare Leserschaft. Wer 500 Bücher druckt und 80 verkauft, hat 420 Exemplare im Keller und das Geld dafür verloren. Print-on-Demand kostet pro Stück mehr, aber nie mehr, als du verkaufst. Wie das Verfahren genau funktioniert, steht in unserem Artikel Print-on-Demand erklärt.
Was das für dich bedeutet
Autaria löst ein echtes Problem – für eine kleine Gruppe. Wer schon mehrere Bücher verkauft, Farbschnitt und Prägung will und regelmäßig auf Messen oder Lesungen steht, bekommt hier Lagerhaltung und Buchhandelsanbindung aus einer Hand. Für alle anderen bleibt Print-on-Demand die richtige Wahl, und das ist keine Schande.
Zwei Punkte solltest du vor einer Anfrage klären. Erstens die tatsächlichen Druck- und Lagerkosten pro Exemplar, denn die stehen nicht auf der Website und entscheiden darüber, ob von den 30 Prozent etwas übrig bleibt. Zweitens die Frage, was „im gesamten deutschen Buchhandel erhältlich“ praktisch heißt: Bestellbarkeit über das Barsortiment hat jeder Titel mit ISBN und VLB-Eintrag, auch ein PoD-Buch von BoD. Ins Regal kommt ein Buch erst, wenn ein Buchhändler es aktiv einkauft. Das leistet kein Dienstleister für dich – auch Autaria nicht.
Quellen: Autorenwelt, Autaria, Neopubli: Über uns, Selfpublisher-Verband