1.389 Personen haben an der Selfpublisher-Umfrage 2026 teilgenommen, 1.247 davon veröffentlichen bereits selbst. Das sind 334 aktive Selfpublisher weniger als 2025. Der Selfpublisher-Verband hat die Auswertung am 19. Juni 2026 veröffentlicht, und das Bild ist ernüchternd: Die Umsätze sinken, die KI-Nutzung steigt, und die wenigen, die gut verdienen, machen fast alle dasselbe.
78 Prozent unter 200 Euro im Monat
Die Umsatzfrage bleibt die härteste Zahl der Umfrage. 61 Prozent der aktiven Selfpublisher lagen 2025 bei einem durchschnittlichen Monatsumsatz unter 50 € brutto, weitere knapp 17 Prozent zwischen 50 und 199 €. Zusammen setzen damit knapp 78 Prozent weniger als 200 € im Monat um. Ein mittleres Segment von 11 Prozent erreicht 200 bis 999 €, etwa 7 bis 8 Prozent kommen auf vierstellige Monatsumsätze.
Wohlgemerkt: Umsatz, nicht Gewinn. Der Verband schreibt selbst, dass es sich „um Umsätze handelt und nicht um Gewinne“. Wer 500 € für Cover und Korrektorat ausgibt und 40 € im Monat einnimmt, braucht ein Jahr, um bei null zu landen. Und 56 Prozent der Befragten geben pro Buch weniger als 500 € aus – ein Budget, in dem laut Verband ein vollständiges Lektorat „in der Regel nicht finanzierbar ist“.
Eine Warnung zur Datenlage: Das literaturcafe.de weist darauf hin, dass die Online-Auswertung Mitte Juni an mehreren Stellen noch Vorjahreszahlen enthielt. So ist an einer Stelle von 61 Prozent unter 50 € die Rede, an anderer von einem Anstieg „von 61 auf 67 Prozent“. Nimm die Nachkommastellen also nicht zu ernst. Die Richtung stimmt trotzdem.
Sachbuch vorn, Taschenbuch Standard
Bei den Hauptgenres führt das Sach- und Fachbuch mit 18 Prozent, gefolgt von Fantasy (13 Prozent) und Liebesroman (11 Prozent). Krimis kommen auf 8 Prozent. 85 Prozent veröffentlichen immer als Taschenbuch, 72 Prozent immer als E-Book, Hardcover nennen 37 Prozent, Hörbücher nur 6 Prozent. Bei den E-Book-Plattformen bleibt Amazon KDP mit 42 Prozent vorn, tredition folgt mit 35 Prozent. Im Print-on-Demand dominiert tredition noch deutlicher: 60 Prozent arbeiten mit dem Hamburger Dienstleister (2025: 51 Prozent), dahinter KDP Print (24 Prozent) und BoD (21 Prozent).
Was die Top-Verdiener anders machen
Der Verband wertet die wirtschaftlich erfolgreichen Selfpublisher gesondert aus. Die Schwelle dafür stieg 2026 von 2.000 auf 2.500 € Monatsumsatz. 95 der 1.247 aktiven Teilnehmenden erreichten sie. Das Profil dieser Gruppe ist auffällig einheitlich:
- 94 Prozent veröffentlichen bei Amazon KDP, 83 Prozent sind in KDP Select – also exklusiv bei Amazon.
- 76 Prozent erzielten ihren höchsten Umsatz mit E-Books, nicht mit Print.
- 72 Prozent veröffentlichen überwiegend Reihen oder Serien.
- 83 Prozent betreiben eine eigene Website, gefolgt vom eigenen Newsletter.
Der Verband warnt selbst vor der Kehrseite: Die Abhängigkeit von einer einzigen Plattform bringe Risiken mit sich. Das stimmt. Aber die Zahlen sagen auch: Wer in Deutschland vom Schreiben leben will, tut das fast immer mit E-Book-Serien in Kindle Unlimited. Ein Erfolgsrezept ist das nicht, wie das literaturcafe.de anmerkt – aber ein sehr deutlicher Hinweis. Wie du eine Reihe planst, steht in unserem Artikel zum Serienaufbau.
KI: Von der Ablehnung zur Routine
Die größte Verschiebung gegenüber 2025 betrifft Künstliche Intelligenz. 61 Prozent der Befragten nutzen bereits KI-Tools. Im Vorjahr hatten noch 58 Prozent den Einsatz abgelehnt. Die häufigsten Einsatzfelder sind Recherche, Grafikdesign, Social-Media-Inhalte und Übersetzungen. Die Nutzung als Schreibassistent, 2025 noch auf Platz 2, ist auf Platz 6 gerutscht. Die Skepsis bleibt: 41 Prozent bewerten den Einfluss von KI auf die kreative Arbeit kritisch (2025: 40 Prozent), mit den größten Bedenken bei Qualität, Ethik und dem Verlust kreativer Vielfalt.
Das ist ein pragmatischer Umgang: KI für die Arbeit drumherum, nicht für den Text. Mit den Kennzeichnungsregeln bei Amazon und Tolino passt das zusammen, denn Recherche und Social-Media-Posts musst du nirgends deklarieren.
65 Prozent haben keinen Newsletter
Neu in der Umfrage war die Frage nach dem eigenen Newsletter. Das Ergebnis: 65 Prozent der Selfpublisher haben keinen. Etwa 18 Prozent der Gesamtstichprobe liegen unter 100 Abonnenten. Nur 29 Prozent nennen den Newsletter als Marketinginstrument, deutlich hinter der eigenen Website (64 Prozent), Mundpropaganda (62 Prozent) und Social Media (59 Prozent). Bei denen, die einen Newsletter haben und die Öffnungsrate messen, liegt sie häufig bei 40 bis 79 Prozent.
Das ist die größte verschenkte Chance in der ganzen Umfrage. Der Newsletter ist der einzige Kanal, den dir kein Algorithmus wegnehmen kann – und genau der Kanal, den die Top-Verdiener nach der Website am häufigsten nutzen. Zwei Drittel der Befragten verzichten darauf.
Wer hat geantwortet?
56 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich, 42 Prozent männlich. Die größten Altersgruppen liegen zwischen 51 und 60 Jahren (24 Prozent) sowie 61 und 70 Jahren (22 Prozent); unter 30 sind nur 6 Prozent. 96 Prozent leben in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Nur 14 Prozent bezeichnen das Schreiben als Hauptberuf (2025: 13 Prozent, 2024: 19 Prozent), ein Drittel als Nebenberuf. 60 Prozent gehören keinem Verband oder Netzwerk an, 29 Prozent sind im Selfpublisher-Verband organisiert – die Stichprobe ist also nicht repräsentativ für den gesamten Markt, sondern für die vernetzte Szene.
Was du daraus mitnimmst: Wenn du mit Selfpublishing Geld verdienen willst, sagen die Zahlen ziemlich klar, wie – Serien, E-Book zuerst, eine eigene Leserliste. Wenn du es als Hobby betreibst, bist du in guter Gesellschaft: 86 Prozent sehen das genauso. Was Selfpublisher realistisch verdienen, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengetragen; die Vorjahreszahlen findest du in unserem Bericht zur Umfrage 2025.
Quellen: Selfpublisher-Verband: Auswertung Teil 1, literaturcafe.de