Buchmarkt 1. Halbjahr 2026: Umsatz sinkt um 4,1 Prozent – und 2025 war schon ein Minusjahr

Regale mit Büchern in einer Buchhandlung
Der Sortimentsbuchhandel verlor 2025 3,7 Prozent Umsatz, der Online-Handel blieb stabil. (Foto: Pexels)

Minus 4,1 Prozent. So viel Umsatz hat der deutsche Buchmarkt im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verloren, der Absatz ging um 4,5 Prozent zurück. Das hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am 9. Juli 2026 auf seiner Wirtschaftspressekonferenz mitgeteilt – zusammen mit den endgültigen Zahlen für 2025. Und die sind kaum besser: 9,62 Milliarden Euro Umsatz, ein Rückgang von 2,7 Prozent gegenüber 2024 (9,88 Milliarden Euro).

Wer als Selfpublisher nur auf die Gesamtzahl schaut, bekommt allerdings ein schiefes Bild. Denn unter der Oberfläche verschieben sich die Gewichte – und zwar in Richtung der Genres, in denen Indie-Autoren traditionell stark sind.

Gesamtjahr 2025: Belletristik legt zu, alles andere verliert

Die Belletristik ist mit einem Marktanteil von 38,1 Prozent die größte Warengruppe und die einzige, die spürbar gewachsen ist: plus 1,2 Prozent. Innerhalb der Belletristik stechen zwei Segmente heraus: Young Adult mit plus 4,8 Prozent und New Adult mit plus 9,6 Prozent. Laut buchmarkt.de ist die Zahl der New-Adult-Käufer seit 2021 sogar um 47,5 Prozent gestiegen.

Die übrigen Warengruppen zeigen nach unten:

  • Kinder- und Jugendbuch: –2,4 Prozent (Anteil 17,9 Prozent)
  • Sachbuch: –4,6 Prozent (Anteil 10,9 Prozent)
  • Ratgeber: –8,1 Prozent (Anteil 11,0 Prozent)
  • Reise: –11,6 Prozent (Anteil 3,7 Prozent)
  • Schule und Lernen: +0,1 Prozent (Anteil 11,3 Prozent)

Beim Vertrieb verliert der stationäre Buchhandel weiter: 3,93 Milliarden Euro Umsatz bedeuten minus 3,7 Prozent. Der Internetbuchhandel hält sich mit 2,51 Milliarden Euro praktisch stabil (–0,1 Prozent). Das Buch wandert also nicht aus dem Markt, aber es wandert weiter ins Netz – dorthin, wo Selfpublisher ohnehin verkaufen.

Die vorläufigen Zahlen hatten wir bereits im Januar eingeordnet: Buchmarkt 2025: Umsatz sinkt, Belletristik legt zu.

Weniger Käufer, weniger Titel

Die Zahl der Buchkäufer sank 2025 um 4,9 Prozent auf 25,9 Millionen. Besonders drastisch fällt der Rückgang bei den 10- bis 15-Jährigen aus: minus 30,6 Prozent Käufer, minus 23,8 Prozent Ausgaben. Bei den 20- bis 29-Jährigen gab es 17,8 Prozent weniger Käufer. Einzige Ausnahme im Jugendsegment: Die 16- bis 19-Jährigen kauften mit plus 7,7 Prozent mehr.

Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz führt das auf die Bildungspolitik zurück: „Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt.“ Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff verwies laut buchmarkt.de zudem darauf, dass die Sparneigung in Deutschland auf dem höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 liege.

Auch die Verlage treten kürzer: 52.644 Erstauflagen erschienen 2025, ein Minus von 9,8 Prozent gegenüber 58.346 im Vorjahr. 2020 waren es noch 69.180. Gleichzeitig entfallen 57 Prozent der verkauften Bücher auf die Backlist – also auf Titel, die nicht im aktuellen Jahr erschienen sind.

Digital wächst – vor allem das Hörbuch

Der E-Book-Anteil am Publikumsmarkt stieg leicht von 6,1 auf 6,3 Prozent. Deutlich dynamischer ist das Hörbuch: plus 13,2 Prozent Umsatz, davon Streaming plus 23,1 Prozent und Downloads plus 9,2 Prozent. Wer ein Buch mit Serienpotenzial hat, sollte das Hörbuch inzwischen als festen Teil der Verwertungskette betrachten, nicht als Kür.

Faustregel
Ein schrumpfender Gesamtmarkt sagt wenig über deine Chancen aus. Entscheidend sind Genre und Kanal. Belletristik, New Adult, Online-Handel und Hörbuch wachsen – genau die Felder, in denen Selfpublisher ohne Buchhandelspräsenz konkurrieren können.

Was das für dich bedeutet

Erstens: Das Minus im Sortimentsbuchhandel trifft Selfpublisher weniger als Verlage. Deine Umsätze entstehen bei Amazon, Tolino, Apple und Co. – und der Online-Handel hat 2025 praktisch nichts verloren.

Zweitens: Weniger Erstauflagen bei den Verlagen bedeuten weniger Konkurrenz um Aufmerksamkeit in den Neuheiten-Listen. Das ist kein Freifahrtschein, aber ein kleiner Rückenwind für alle, die regelmäßig veröffentlichen.

Drittens: Die Einbrüche bei den ganz jungen Käufern sollten dich nicht kaltlassen. Wer heute mit 12 nicht liest, ist mit 25 kein New-Adult-Käufer. Der Boom in diesem Segment steht auf einer Basis, die gerade bröckelt.

Viertens: Die Halbjahreszahl 2026 mit minus 4,1 Prozent ist schlechter als das Gesamtjahr 2025. Wenn du deine Erwartungen für dieses Jahr an 2024 ausrichtest, liegst du zu hoch. Realistische Einkommenszahlen aus der Praxis findest du in unserem Artikel Was verdienen Self-Publisher wirklich?

Unterm Strich: Der Markt schrumpft, aber er schrumpft ungleich. Wer im richtigen Genre und auf den richtigen Kanälen unterwegs ist, hat 2025 gewonnen – und kann das 2026 wieder tun.

Quellen: Börsenverein: Buchmarkt kompakt 2025/2026 (PDF), Börsenblatt, literaturcafe.de, buchmarkt.de