Schreibsoftware für Autoren: Scrivener, Word, Ulysses und Alternativen im Vergleich

Die Wahl der Software ändert nichts am Talent – aber sie kann deinen Workflow deutlich beschleunigen.

Microsoft Word: Stärken und Grenzen

Zwei Drittel der Autoren schreiben in Word. Es ist vertraut, billig, überall. Und tatsächlich: es funktioniert auch für Romane.

★★★ = sehr stark | ★★☆ = gut | ★☆☆ = eingeschränkt
SoftwarePreisStrukturKollaborationExportBeste für
Word70 €/Jahr (M365)★★☆★★★DOCX, PDFWenn du KDP direkt belieferst
Scrivener52 € einmalig★★★★☆☆EPUB, DOCX, PDFKomplexe Romane, Non-Fiction
Ulysses6 €/Monat (Mac)★★☆★☆☆EPUB, PDF, DOCXMinimalisten, Blogger
Google DocsGratis★☆☆★★★DOCX, PDFBeta-Leser-Workflow, Teams
Atticus147 $ einmalig★★☆★☆☆EPUB, Print-PDFAlles in einem (Schreiben + Format)
Papyrus Autor199 € einmalig★★★★☆☆EPUB, DOCXDeutsche Rechtschreibprüfung

Stärken: Einfach zu bedienen. Track-Changes für Lektoren. Seitenformatierung ist präzise. Exportiert zu DOCX oder PDF problemlos.

Schwächen: Große Dokumente (400+ Seiten) werden langsam. Keine Gliederungs-Tools für komplexe Struktur. Keine Notiz-Verwaltung. Und: Die Datei liegt auf deinem Computer – kein automatisches Backup, wenn dein PC crasht.

Fazit Word: Okay für kurze Bücher (bis 200 Seiten), episch schlecht für längere Romane, wenn du deine Gliederung managen möchtest.

Scrivener: Für Strukturfreaks und Langprojekte

Scrivener kostet 60 USD, einmalig. Es ist der Rolls Royce für Autoren-Profis.

Was macht Scrivener: Es zerlegt dein Buch in Szenen. Jede Szene ist eine eigene Kartei. Du kannst Szenen verschieben, umbenennen, taggen, notieren. Es erstellt automatisch Gliederungen, Figurenlisten, Rechercheordner. Am Ende: Compile (exportieren) zu EPUB, MOBI, PDF – alles professionell formatiert.

Stärken: Struktur-Management echt. Recherche-Integration gut. Lernkurve ist steil, aber danach: Zeitersparnis.

Schwächen: Teuer. Interface ist altmodisch (nicht iCloud-Sync). Windows- und Mac-Versionen unterscheiden sich etwas.

Fazit Scrivener: Perfekt, wenn du Langprojekte magst und gerne strukturierst. Overkill für Kurzgeschichten.

Faustregel: Scrivener lohnt sich bei deinem zweiten oder dritten Buch. Beim ersten: Word reicht. Du brauchst noch gar nicht die volle Komplexität – und du brauchst Erfahrung, bevor du ein 60-EUR-Tool sperren möchtest.

Ulysses (Mac): Minimalistisch und effizient

Ulysses ist nur Mac und iPad (199 EUR für Lifetime). Es ist das Gegenteil von Scrivener: schlank, elegant, ablenkungsfrei.

Was macht es: Du schreibst ohne Format-Chaos. Kein Bold, kein Italic-Knöpfchen – alles über Markdown-Syntax (*, **, etc.). Es ist fast meditativ. Am Ende exportierst du zu schönem PDF oder EPUB.

Stärken: Fokus auf Schreiben, nicht Formatting. iCloud-Sync automatisch. Schnell, auch bei großen Dateien. Schöne Oberfläche.

Schwächen: Nur Mac/iPad. Keine Windows-Version. Für Windows-Autoren leider out.

Google Docs: Kollaboration und Überall-Zugriff

Kostenlos, cloud-basiert, überall zugänglich. Ideal, wenn du mit Lektoren zusammenarbeitest.

Stärken: Echtzeit-Kollaboration (Lektor sieht deine Änderungen live). Kommentar-Funktion perfekt. Backup automatisch (nichts verloren). Überall abrufbar (Smartphone, Tablet, Büro).

Schwächen: Keine richtige Gliederung. Große Dokumente laggen. Export zu EPUB ist kompliziert (manueller Umweg nötig). Nicht ideal für komplexe Strukturen.

Fazit Google Docs: Super für Zusammenarbeit, schwach für Langstruktur. Gut als Backup, nicht als Hauptwerkzeug.

Atticus: Das neue All-in-One-Tool

Atticus ist relativ neu (Kickstarter 2021) und noch am Wachsen. Kosten: ca. 100 USD einmalig. Es versucht, Scrivener zu modernisieren.

Features: Szenen-Management wie Scrivener. Moderne Oberfläche (nicht altmodisch). Export zu EPUB, Kindle, Print mit Vorlagen.

Problem: Junge Software, nicht alle Features sind reif. Bug-Anfälliger als Scrivener. Aber: Entwickler ist aktiv, updatet ständig.

Fazit Atticus: Interessant, wenn dir Scrivener zu altmodisch ist. Aber warte noch 1–2 Jahre, bis es reifer ist.

Papyrus Autor: Die deutsche Lösung

Papyrus ist Deutschland-Entwickelt, kostet ca. 100 EUR. Es ist wie Scrivener, aber mit deutschem Support und besserer Oberfläche.

Stärken: Gute Szenenverwaltung. Deutsche Dokumentation (wichtig\!). Preis fair. Export zu EPUB und Kindle gut.

Schwächen: Nicht so verbreitet wie Scrivener (kleinere Community, weniger Tutorials). Manche Features sind noch nicht so ausgereift.

Fazit Papyrus: Gute Alternative zu Scrivener, besonders für deutschsprachige Autoren. Probieren kostet nichts (kostenlose Testversion).

Welche Software für wen?

  • Anfänger (< 2 Bücher): Word. Es reicht. Lerne erst die Basics.
  • Mac-User (Fokus Sch): Ulysses. Minimalistisch, wunderschön.
  • Strukturliebhaber mit Budget: Scrivener. Das Gold-Standard Werkzeug.
  • Zusammenarbeit (mit Lektoren): Google Docs + Word für Import/Export.
  • Deutsche Lösung: Papyrus Autor. Probieren\!
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