Der schwedische Verlagskonzern Bonnier Books kauft Nextory. Am 1. September 2026 gaben beide Unternehmen bekannt, dass Bonnier sämtliche Anteile des Streamingdienstes übernimmt – in bar, zu einem Preis, den die Parteien nicht nennen. Damit gehören künftig zwei der drei großen Hörbuch- und E-Book-Flatrates Nordeuropas einem Eigentümer: BookBeat, das Bonnier 2015 selbst gestartet hat, und Nextory. Beide Dienste sind auch in Deutschland aktiv. Für dich als Self-Publisher ist das mehr als eine skandinavische Randnotiz.
Der Deal in Zahlen
Nextory wurde 2015 in Schweden gegründet, bietet laut Pressemitteilung über 1,4 Millionen Titel und ist in zehn europäischen Märkten vertreten – neben Skandinavien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Spanien. In Deutschland startete der Dienst im April 2019, damals ab 13,99 Euro im Monat.
BookBeat, ebenfalls seit 2015 am Markt, kommt laut Bonnier auf über 1,2 Millionen zahlende Nutzer in zehn Märkten und einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden schwedischen Kronen. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte BookBeat im Februar 146 Millionen Euro Umsatz gemeldet, ein Plus von 13 Prozent. Seit dem Start hat der Dienst nach eigenen Angaben 417 Millionen Euro an Verlage und Autoren ausgeschüttet. Deutschland-Geschäftsführerin Kathrin Rüstig sprach für 2025 von Rekordwerten bei der Neukundengewinnung.
Der Zusammenschluss steht unter Vorbehalt: Die schwedische Wettbewerbsbehörde Konkurrensverket muss zustimmen. Erst danach wird der Kauf formal vollzogen.
Warum Bonnier kauft
Nextory-Gründer und CEO Shadi Bitar begründet den Verkauf mit der Marktlogik: Gemeinsam entstehe „eine hochgradig wettbewerbsfähige Kombination“ in einem Markt, „in dem Größe immer wichtiger wird“. Bonnier-Books-Chef Håkan Rudels nennt Hörbuchdienste, die sich ganz auf Autoren, Leser und Hörer konzentrieren, „wichtiger denn je“.
Der Hintergrund: Marktführer Storytel zählte 2025 laut The New Publishing Standard rund 2,67 Millionen zahlende Abonnenten und hält laut Publishing Perspectives in Schweden mindestens die Hälfte des Marktes. BookBeat und Nextory kämpften bisher um Platz zwei. Dazu kommt neue Konkurrenz: Spotify verkauft seit November 2025 Hörbücher in Schweden, Audible wird dort für Herbst 2026 erwartet. Zwei mittelgroße Anbieter gegen drei Riesen – das war auf Dauer keine Position. Also legt Bonnier zusammen.
Was das für den deutschen Hörbuchmarkt heißt
In Deutschland verändert sich die Landkarte der Abo-Dienste damit spürbar. BookBeat und Nextory waren hier bislang zwei getrennte Flatrate-Anbieter neben Audible, Spotify, Storytel und dem Hörbuch-Angebot der tolino-Allianz. Ob die Marke Nextory bleibt, sagt Bonnier nicht. Die Vorgeschichte spricht dagegen: Als Nextory 2021 den spanischen Dienst Nubico und den französischen Anbieter Youboox übernahm, verschwanden beide Marken.
Weniger Abo-Anbieter heißt weniger Verhandlungspartner für Verlage und Distributoren – und weniger unabhängige Kanäle, über die dein Hörbuch gefunden werden kann. Breite Verteilung bleibt die beste Versicherung gegen Konzentration.
Was das für Self-Publisher bedeutet
Erstens: Direkt zu Nextory kamst du als Self-Publisher bisher ohnehin nicht. The New Publishing Standard weist darauf hin, dass Nextory keine direkten Verträge mit kleinen Verlagen und Selfpublishern schließt, sondern sie auf Distributoren wie Publit oder Publizon verweist. Wer in Deutschland über einen Hörbuch-Distributor ausliefert, sollte prüfen, ob Nextory überhaupt in dessen Shopliste steht.
Zweitens: BookBeat ist für deutsche Self-Publisher der zugänglichere Kanal. tolino media etwa liefert selbst produzierte Hörbücher seit April 2026 unter anderem an Apple Books, Audible, BookBeat, Deezer, Google Play, Kobo, RTL+, Skoobe, Spotify und Thalia aus – Nextory fehlt in dieser Liste. Landen beide Dienste unter Bonnier-Regie in einem gemeinsamen Katalog, könnte dein Hörbuch über BookBeat künftig auch Nextory-Hörer erreichen. Versprochen hat das bisher niemand.
Drittens: Bonnier ist nicht nur Plattformbetreiber, sondern mit mehr als 100 Verlagsmarken in sieben Ländern einer der größten Verlagskonzerne Europas. Ein Streamingdienst, dessen Eigentümer selbst Verlage betreibt, hat Anreize, eigene Titel prominent zu platzieren. Storytel mit seinem Verlag Norstedts macht das vor. Für Indie-Titel wird Sichtbarkeit in solchen Katalogen nicht leichter.
Unsere Empfehlung: Wenn du ein Hörbuch hast oder eins planst, verteile es breit – über tolino media, einen Distributor oder direkt bei den Anbietern, die Self-Publisher annehmen. Wie das geht, steht im Artikel Hörbuch selbst veröffentlichen. Verlass dich nicht auf eine einzige Flatrate. Und behalte die Entscheidung der Konkurrensverket im Blick: Erst wenn Stockholm zustimmt, ist der Deal durch.
Quellen: Bonnier: Pressemitteilung zur Übernahme (1.9.2026), Bonnier Books via Cision, Publishing Perspectives, The New Publishing Standard, BookBeat: Jahreszahlen 2025 (Presseportal), tolino media: Hörbuch-Start, appgefahren.de: Nextory-Start in Deutschland (2019)