Apple Books für Self-Publisher: Direkt im App Store verkaufen

30 Prozent Provision, rund 50 Länder für Direktveröffentlichung, null Zwischenhändler – Apple Books ist mehr als eine Nische.

Was Apple Books von anderen unterscheidet

Apple Books ist kein geheimer Tipp mehr. Jährlich werden dort über 2 Millionen E-Books verkauft. Und doch: Viele Self-Publisher ignorieren die Plattform komplett. Das ist ein Fehler.

Die Gründe sind einfach. Apple zahlt 70 Prozent Royalty – genauso wie Amazon bei KDP. Aber: Du brauchst weder Exclusivity-Verpflichtungen noch eine umständliche Entzugsgebühr bezahlen. Du kannst dein Buch gleichzeitig überall verkaufen. Außerdem: Die Apple-Leserschaft ist wohlhabender und gibt mehr Geld pro E-Book aus als der Durchschnittskunde bei Amazon. Das heißt: dein Buch wird tendenziell teurer gekauft.

Konto einrichten – Apple ID, Steuer, Bank

Der Start ist einfach, aber es gibt Fallstricke. Du brauchst:

  • Eine Apple-ID – keine Besonderheiten, deine normale Apple ID funktioniert
  • Apple Books for Authors-Zugang – den beantragst du auf https://author.apple.com
  • Bankkonto und Steuerdaten – du musst deine Bankverbindung und Steuernummer hinterlegen. Apple braucht das für die Auszahlungen

Hier wird es knifflig: Wenn du in Deutschland lebst und buchst, benötigst du ein deutsches Bankkonto. Apple überweist nicht auf internationale Konten. Auch: Apple führt für dich keine Quellensteuer ab. Das ist deine Aufgabe – das Finanzamt möchte seinen Anteil.

Upload über iTunes Producer oder Distributor

Apple bietet zwei Wege zum Upload. Der erste: iTunes Producer (desktopbasiert, kostenlos). Der zweite: einen Distributor wie Draft2Digital oder D2D verwenden.

iTunes Producer funktioniert, ist aber umständlicher. Du musst alle Dateien lokal verwenden, per Mac hochladen und die Metadaten manuell eingeben. Das ist OK für ein Buch alle zwei Jahre. Wenn du viel veröffentlichst, brauchst du einen Distributor – der spieltägliche Routine deutlich leichter.

Faustregel: Weniger als 4 Titel pro Jahr? iTunes Producer reicht. Mehr als 4 Titel? Ein Distributor wie Draft2Digital spart dir Stunden monatlich und kostet dich 10–15 Prozent des Umsatzes – das rechnet sich.

Konditionen: 70% Royalty, Preisbindung bei ebooks

Apple zahlt 70 Prozent für Preise zwischen 0,99 und 199,99 Dollar. Das ist großzügig. Das Haken: Der Preis ist nicht flexibel wie bei Amazon.

Apple hat sogenannte „agency pricing" – du bestimmst den Preis, nicht Apple. Aber: Der Preis ist regional unterschiedlich. Du setzt einen Preis in Dollar, und Apple konvertiert in andere Währungen. Das ist einerseits praktisch (keine lokale Währungsrechnung nötig), andererseits verlierst du die Kontrolle über genaue lokale Preise.

Metadaten und Kategorien bei Apple

Die Apple-Kategorien sind deutlich präziser als bei Amazon. Das ist Fluch und Segen. Apple hat ca. 50 Kategorien – Amazon hat über 10.000. Das heißt: Dein Buch findet weniger Konkurrenz. Aber: Du kannst es auch nicht so verfeinert in Kategorien einsortieren.

Was wirklich zählt: Deine Suchbegriffe („Keywords"). Apple erlaubt fünf Keywords pro Titel – im Gegensatz zu Amazons sieben. Mach keine Fehler hier. Recherchiere vorher, was Leser bei Apple suchen.

Direktkonto vs. Distributor: Wann welcher Weg sinnvoll ist

Du hast die Wahl. iTunes Producer kostet nichts und du behältst 70 Prozent. Draft2Digital oder andere Distributoren nehmen 10 Prozent, du behältst also 63 Prozent (70 % minus 10 % Gebühr).

Faustregel: Unter 200 € monatlich lohnt sich der Direktzugang nicht
KriteriumApple Books direkt (iTunes Connect)Via Distributor (D2D, Smashwords)
Royalty70 % (weltweit)Ca. 60–63 % (nach D2D-Abzug)
Technischer AufwandHoch (Mac empfohlen, iTunes Producer)Gering (Web-Upload)
Preis-KontrolleVollständigVollständig
Auszahlungsuntergrenze10 $ pro LandJe nach Distributor
BuchhaltungSeparate Abrechnung je LandAggregiert
EmpfehlungAb ~200 € Monats-Umsatz auf AppleFür Einsteiger oder kleine Backlist

Wo liegt der Vorteil bei weniger Geld? Der Distributor verwaltet dein Buch, macht Updates, kümmert sich um Fehlerbehebung. Du schreibst, nicht administrierst. Außerdem: Ein Distributor verteilt dein Buch auch zu anderen Plattformen (Kobo, Tolino, Scribd). Das ist wertvoll.

Wann lohnt sich Apple Books wirklich?

Apple Books ist kein Hauptkanal für die meisten Self-Publisher. Die Verkaufszahlen sind deutlich niedriger als bei Amazon. Aber: Die Konversionsrate ist besser. Ein Buch, das bei Amazon durchschnittlich 10 Euro bringt, kann bei Apple 12–14 Euro bringen.

Außerdem: Apple-Leser sind loyal. Viele greifen zu E-Books auf dem iPad oder iPhone – und sie kaufen regelmäßig. Wenn du mehrere Titel hast, wächst dein Apple-Umsatz mit jedem neuen Buch.

Fazit: Ignoriere Apple Books nicht. Es ist weniger Arbeit als KDP, die Leserschaft zahlungskräftiger, und dein Geld kommt zuverlässig. Starten lohnt sich.

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