Wozu ein Buchkonzept, wenn kein Verlag es liest?
Ein Exposé schreiben Autoren klassisch für Verlage und Agenturen. Als Self-Publisher bist du selbst der Verlag, und genau deshalb brauchst du es: Das Konzept ist das Dokument, an dem du vor dem Schreiben prüfst, ob das Buch einen Markt hat, und an dem du während des Schreibens misst, ob du noch das Buch schreibst, das du geplant hast. Es ist außerdem die Vorlage für alles, was später Text braucht: Klappentext, Buchbeschreibung bei Amazon, Briefing für Cover und Lektorat, Pressetext.
Zwei Seiten reichen. Länger wird es nur, wenn du einen Verlag oder einen Druckkostenzuschuss anfragst; dann kommen Leseprobe und Autorenvita dazu. Was ein Verlagsexposé zusätzlich verlangt, steht am Ende.
Die acht Bausteine
- Arbeitstitel und Genre. Ein Titel, der das Versprechen trägt, und ein Genre so eng wie möglich: nicht „Fantasy“, sondern „Romantasy, Enemies-to-Lovers, Einzelband mit Serienpotenzial“; nicht „Ratgeber“, sondern „Praxisratgeber für Gründerinnen im Handwerk“.
- Pitch in zwei Sätzen. Worum geht es, für wen, und was ist daran neu oder anders? Wenn du das nicht in zwei Sätzen sagen kannst, ist das Konzept noch nicht fertig. Beispiel Sachbuch: „Ein Praxisbuch für Solo-Selbstständige, die ihre Buchhaltung ohne Steuerberater schaffen wollen, mit Vorlagen für jeden Monat.“
- Zielgruppe. Wer kauft das Buch, wo sucht diese Person nach Büchern, was hat sie zuletzt gekauft? Je konkreter, desto nützlicher für Cover und Werbung. Eine Zielgruppe wie „Frauen 25 bis 40, lesen Romantasy-Serien in Kindle Unlimited, kaufen nach Cover und Tropes“ beantwortet schon die Fragen nach Format, Plattform und Coverstil.
- Vergleichstitel. Drei bis fünf Bücher der letzten zwei Jahre, die dieselben Leser gekauft haben, mit Preis, Umfang, Amazon-Rang und Rezensionszahl. Sie belegen, dass der Markt existiert, und zeigen, welche Konventionen die Leser erwarten. Findest du keine, gibt es die Zielgruppe nicht oder sie liest woanders.
- Inhalt. Beim Roman die Handlung in zehn bis fünfzehn Sätzen mit Anfang, Wendepunkten und Ende (ja, das Ende; ein Exposé hat keinen Spoilerschutz). Beim Sachbuch die Gliederung mit einem Satz pro Kapitel und der Frage, die jedes Kapitel beantwortet.
- Umfang und Format. Zielwortzahl (Roman 70.000 bis 120.000 Wörter, Sachbuch 30.000 bis 80.000), geplante Ausgaben (E-Book zuerst, Print, Hörbuch), Serie oder Einzeltitel.
- Zeitplan und Budget. Rohfassung bis wann, Lektorat gebucht ab wann, Erscheinungstermin mindestens sechs Monate nach Rohfassung. Budgetposten mit Spannen, siehe Was kostet Self-Publishing?
- Vermarktung. Welche drei Kanäle erreichen die Zielgruppe (Newsletter, Leserunden, Amazon Ads, BookTok, Fachmedien), welche Vorbereitungen laufen vor dem Erscheinen, welche Rezensionsexemplare gehen an wen.
Vorlage zum Ausfüllen
| Baustein | Dein Eintrag | Prüffrage |
|---|---|---|
| Arbeitstitel / Genre | Erkennt ein fremder Leser in drei Sekunden, was das für ein Buch ist? | |
| Pitch | Zwei Sätze, kein Komma-Monster? | |
| Zielgruppe | Weißt du, wo diese Person Bücher findet? | |
| Vergleichstitel | Drei Titel aus den letzten zwei Jahren mit Rang und Rezensionen? | |
| Inhalt | Steht das Ende drin (Roman) oder die Frage jedes Kapitels (Sachbuch)? | |
| Umfang / Format | Passt die Wortzahl zu den Vergleichstiteln? | |
| Zeitplan / Budget | Ist der Lektor für den Zeitraum verfügbar? | |
| Vermarktung | Drei konkrete Kanäle, nicht „Social Media“? |
Sachbuch und Roman: die Unterschiede
Beim Sachbuch trägt das Konzept die Gliederung. Leser kaufen ein Sachbuch für ein Ergebnis, deshalb gehört in jedes Kapitel ein Nutzen, den du in einem Satz benennen kannst. Vergleichstitel sind hier doppelt wichtig: Sie zeigen, welche Fragen der Markt schon beantwortet hat, und wo deine Lücke liegt. Ein Sachbuch, das dieselben zehn Tipps bringt wie die drei Bestseller der Kategorie, verkauft sich nur über den Autorennamen.
Beim Roman trägt das Konzept die Figur und den Konflikt. Die Handlungszusammenfassung sollte zeigen, was die Hauptfigur will, was sie daran hindert und was sie am Ende dafür bezahlt. Genre-Konventionen stehen nicht zur Diskussion, sondern im Konzept: Ein Liebesroman endet mit dem Paar, ein Krimi mit der Auflösung. Wer das nicht liefern will, schreibt ein anderes Genre und muss die Zielgruppe neu bestimmen. Für Serien kommt die Serienbibel dazu: Figuren, Orte, Zeitlinie, offene Fäden je Band (siehe Buchserie planen).
Wenn doch ein Verlag lesen soll
Verlage und Agenturen erwarten dieselben Bausteine, nur formatiert: ein bis zwei Seiten Exposé mit Titel, Genre, Umfang, Pitch, Zielgruppe, Vergleichstiteln und Handlungs- beziehungsweise Gliederungsübersicht; dazu eine Autorenvita mit Veröffentlichungen und Reichweite und eine Leseprobe von 20 bis 30 Normseiten (Anfang des Buchs, nicht die beste Szene aus der Mitte). Beim Sachbuch zählt die Vita stärker als beim Roman, weil der Verlag die Plattform des Autors mitkauft. Ob der Verlagsweg für dich überhaupt infrage kommt, klärt der Vergleich Self-Publishing oder Verlag.
Die ausgefüllte Vorlage ist Schritt 1 bis 10 der Checkliste Buchprojekt planen; dort geht es mit Budget, Dienstleistern und Zeitplan weiter.