Was IngramSpark von KDP unterscheidet
Moment – KDP (Kindle Direct Publishing) druckt auch Taschenbücher. Warum brauchst du IngramSpark überhaupt?
| Kriterium | Amazon KDP | IngramSpark |
|---|---|---|
| E-Book-Royalty | 70 % (2,99–9,99 €) | Bis 65 % |
| Print-Royalty | 40–60 % nach Druckkosten | 20–45 % nach Druckkosten |
| Buchhandels-Rabatt | Nicht einstellbar | 40–55 % einstellbar |
| Buchhandels-Distribution | Bestellbar über Amazon | Weltweit über Buchhandel |
| Einrichtungsgebühr | Kostenlos | 49 $ (oft erlassen) |
| Upload-Anforderungen | EPUB + KDP-Cover-Creator | Striktes Print-PDF + EPUB |
| Rücksenderecht | Nein | Optional einstellbar |
| Empfohlen für | Amazon-First-Strategie | Buchhandel & Bibliotheken |
Die Antwort ist brutal einfach: Buchhandlungen kaufen nicht bei KDP. Sie kaufen bei Großhändlern wie Ingram. Und Ingram hat eine Print-on-Demand-Tochter: IngramSpark.
KDP ist Direktvertrieb – fast nur Amazon. IngramSpark ist Buchhandels-Distribution – alle Verlage und Buchhandlungen weltweit können dort bestellen. Das ist der fundamentale Unterschied. KDP verdienst du pro Verkauf. IngramSpark brauchst du, um überhaupt in Buchhandlungen präsent zu sein.
Buchhandels-Distribution verstehen
So funktioniert der Buchhandel: Eine Buchhandlung in München möchte dein Buch verkaufen. Sie ruft nicht dich an, sondern kontaktiert ihren Großhändler (meist Ingram). Der Großhändler hat dein Buch in seinem System – oder eben nicht.
Wenn dein Buch dort ist, bestellt die Buchhandlung es, der Großhändler druckt es on-demand, liefert es aus – und du erhältst deine Tantiemen später. Das alles funktioniert nur, wenn dein Buch bei IngramSpark angemeldet ist.
Der Haken: Buchhandlungen verdienen weniger an deinem Buch als an Verlagstiteln (weil sie höhere Rabatte fordern). Ein Roman mit üblicher UVP kostet dort oft 0,50–1,00 Euro Gewinnmarge statt 3–4 Euro bei Verlagstiteln. Das bedeutet: Buchhandlungen werden dein Buch nicht aktiv bewerben. Aber: Es ist da, wenn ein Kunde danach fragt.
Einrichtungsgebühren und Konditionen
IngramSpark verlangt eine Einrichtungsgebühr von ca. 25–50 USD (je nach Land und Format). Das ist einmalig. Danach ist das Konto kostenfrei.
Die Royalties sind deutlich niedriger als bei KDP:
- Taschenbuch-Standard: 20–30 % des Nettopreises (nach Druckkosten)
- Hardcover: 25–35 % (teurer in der Herstellung, weniger Gewinn)
- E-Book über IngramSpark (weniger gebräuchlich): 50 %
Das ist weniger attraktiv als KDP (40 % Standard). Aber: Das ist dein Preis für den Zugang zum Buchhandel. Es ist ein Trade-off zwischen Direktertrag und Breite.
Upload-Anforderungen für Print-PDF und EPUB
IngramSpark akzeptiert keine Word-Dateien. Du brauchst:
- Print-PDF – professionell formatiert, mit Blutung (3 mm über den Seitenrand)
- Titel-PDF oder Grafik – für die Buchseite
- Metadaten – Titel, ISBN, Kategorie, Preis, Beschreibung
Das ist aufwendiger als bei KDP. Du brauchst jemanden, der das PDF richtig kann – oder du machst einen Online-Kurs. Fehler im PDF werden direkt abgelehnt, ohne dass du wissen darfst, was falsch ist.
E-Books über IngramSpark sind möglich, aber nicht empfohlen – die Sichtbarkeit ist schlechter als bei Apple oder Kobo. Nutze IngramSpark nur für Print.
Rabatt-Strategie für Buchhandlungen (40–55%)
Das ist ein psychologisches Puzzle: Buchhandlungen fordern hohe Rabatte (40–55 % Rabatt). Du musst das akzeptieren, wenn dein Buch dort liegen soll.
Rechenbeispiel: Dein Taschenbuch kostet 14,99 Euro UVP. Die Buchhandlung fordert 50 % Rabatt (7,50 Euro). IngramSpark druckt es für ca. 3,00 Euro. Ingram nimmt seinen Anteil. Am Ende bekommst du ca. 2,00 Euro.
Das ist nicht sexy. Aber: Wenn pro Monat 10 Exemplare über Buchhandlungen verkauft werden, sind das 20 Euro extra – plus die Sichtbarkeit, die ein Buchregal gibt.
IngramSpark + KDP kombinieren
Die Profis machen so: KDP für Amazon und Online-Direktvertrieb. IngramSpark für die Buchhandel-Präsenz. Beide zusammen.
Das funktioniert, solange die ISBN unterschiedlich ist. KDP und IngramSpark brauchen jeweils eine eigene ISBN. Deshalb: Zwei Auflagen, zwei ISBN-Nummern, zwei Systeme. Das ist etwas administrativer Overhead – aber völlig normal in der Branche.
So startest du mit IngramSpark
Geh auf www.ingramspark.com, registriere dich (kostet ca. 50 EUR), bezahle die Einrichtungsgebühr. Dann: Upload deines Print-PDFs, Eingabe der ISBN (die muss du vorher beantragen), Preis, Metadaten. Nach ca. 3–5 Tagen ist das Buch im System.
Es dauert danach noch 1–2 Wochen, bis große Buchhandlungssysteme es in ihren Katalogen haben. Und dann: Geduld. Dein Buch muss sich bewähren. Mehr aktives Marketing gibt es nicht – es ist reine Akquisition durch Interessenten.