ISBN beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Self-Publisher

Was die ISBN kostet, wo du sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommst, wann die kostenlose Anbieter-ISBN reicht und was das Pflichtexemplar verlangt.

Was ist eine ISBN?

Ohne ISBN ist dein Buch für den Buchhandel unsichtbar. Punkt. ISBN steht für Internationale Standardbuchnummer (International Standard Book Number), eine 13-stellige Kennziffer, die weltweit genau ein Produkt bezeichnet. Jede Ausgabe braucht ihre eigene Nummer: Taschenbuch, Hardcover und E-Book desselben Titels sind drei ISBNs. Eine korrigierte Neuauflage mit verändertem Inhalt ebenfalls, ein reiner Nachdruck nicht.

Die Nummer selbst verkauft kein Buch. Sie ist der Schlüssel, unter dem Barsortimente, Buchhandlungen, Bibliotheken und Datenbanken deinen Titel finden. Wer nur bei Amazon als Kindle-E-Book veröffentlicht, kommt ohne ISBN aus. Wer im Buchhandel bestellbar sein will, nicht.

Eigene ISBN oder kostenlose ISBN vom Anbieter?

Amazon KDP, BoD, epubli, tredition und tolino media geben dir eine ISBN dazu, meist ohne Aufpreis. Bequem, aber mit zwei Haken:

  • Die Nummer gehört dem Anbieter. Die kostenlose KDP-ISBN darf laut KDP-Hilfe nur bei Amazon verwendet werden. Wechselst du später zu BoD oder tredition, bekommt das Buch dort eine neue ISBN, und alle Rezensionen, Listungen und Verlinkungen der alten Ausgabe hängen an der alten Nummer.
  • Im Impressum steht nicht dein Name. Bei der KDP-ISBN erscheint als Verlag „Independently published“, bei BoD, epubli oder tredition der jeweilige Dienstleister. Buchhändler lesen daran auf den ersten Blick ab, dass es ein Selfpublishing-Titel ist.

Mit einer eigenen ISBN bist du der Verlag. Der Titel ist an dich gebunden, nicht an die Plattform, und du kannst dieselbe Nummer über Jahre bei wechselnden Druckdienstleistern nutzen. Das kostet Geld und ein wenig Verwaltung, dazu gleich mehr.

ISBN in Deutschland beantragen

Zuständig ist die MVB GmbH (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, eine Tochter des Börsenvereins) in Frankfurt. Sie betreibt die deutsche ISBN-Agentur unter german-isbn.de und den ISBN-Shop, in dem du die Nummern direkt kaufst. Der Ablauf:

  1. Registrieren im ISBN-Shop (isbn-shop.de), als Privatperson im Selbstverlag oder mit Verlagsnamen. Ein Gewerbe brauchst du dafür nicht.
  2. Paket wählen: eine Einzel-ISBN oder ein Kontingent mit 10, 100 oder 1.000 Nummern (Preise unten).
  3. Bezahlen und Nummern erhalten. Mit dem Kontingent bekommst du ein Verlagspräfix, das in allen deinen ISBNs steckt. Die Zuteilung dauert in der Regel wenige Werktage.
  4. ISBN dem Titel zuordnen und in Impressum, Metadaten und Barcode auf dem Rückcover eintragen. Bei KDP, BoD und Co. gibst du sie beim Anlegen des Buchs als „eigene ISBN“ an.
  5. Titel im VLB melden (optional, aber für den Buchhandel entscheidend, siehe unten).

Kosten: ISBN und VLB-Eintrag

Die Preise der MVB laut aktueller Preisliste (Stand der Liste: August 2022, im September 2026 unverändert gültig), jeweils zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer:

PaketPreis nettoPreis bruttoPro ISBNSinnvoll für
Einzel-ISBN70,00 €83,30 €70,00 €Ein einzelnes Format eines einzelnen Buchs
10er-Kontingent225,00 €267,75 €22,50 €Zwei bis drei Bücher in je zwei Formaten
100er-Kontingent300,00 €357,00 €3,00 €Vielschreiber, Serien, eigener Kleinverlag
1.000er-Kontingent400,00 €476,00 €0,40 €Verlage
ISBN vom Anbieter (KDP, BoD, epubli, tredition)0 € bzw. im Paketpreis––Ein Buch, eine Plattform, kein Wechsel geplant

Der Sprung von der Einzel-ISBN zum 10er-Kontingent ist der entscheidende: Schon beim zweiten Buch in zwei Formaten bist du mit dem Kontingent günstiger als mit vier Einzelnummern. Die Zahlen aus älteren Ratgebern (rund 90 Euro pro Einzel-ISBN, 146 Euro Grundgebühr plus Paket) stammen aus einem früheren Preismodell und gelten nicht mehr.

VLB-Eintrag: Die ISBN allein macht dein Buch noch nicht bestellbar. Dafür meldest du den Titel im Verzeichnis lieferbarer Bücher (vlb.de), ebenfalls bei der MVB. Das kostet pro Jahr mindestens 69 Euro (wenn alle deine Titel den Datenstatus „Gold“ haben, sonst 99 Euro) und deckt bis zu 16 Titel ab; darüber hinaus 3,00 Euro pro Printtitel und 0,95 Euro pro abgeleitetem E-Book in den ersten drei Jahren, alles zuzüglich Mehrwertsteuer. Wer nur bei Amazon veröffentlicht, braucht den VLB-Eintrag nicht. Wer über BoD, epubli, tredition oder tolino media geht, bekommt ihn in der Regel vom Anbieter erledigt, auch mit eigener ISBN.

ISBN in Österreich und der Schweiz

Die ISBN richtet sich nach dem Sitz des Verlags, also nach deinem Wohnsitz. Wer in Wien oder Zürich lebt, kauft nicht bei der MVB:

  • Österreich: Die ISBN-Agentur des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels (isbn-austria.at) vergibt die Nummern. Nichtmitglieder zahlen laut Bestellformular 83 Euro für eine Einzel-ISBN, 170 Euro für 10 und 360 Euro für 100 Nummern, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer; HVB-Mitglieder die Hälfte. Bearbeitung im Schnitt rund fünf Werktage, Express gegen Aufpreis.
  • Schweiz: Zuständig ist der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) in Zürich. Eine einzelne ISBN kostet 120 Franken, das 10er-Kontingent 315 Franken, das 100er-Kontingent 525 Franken, exklusive Mehrwertsteuer. Bearbeitung drei bis fünf Arbeitstage, Express (ein Arbeitstag) für 50 Franken Aufpreis.

Die Preise gelten Stand September 2026 laut den Websites der beiden Agenturen.

ISBN, VLB und Buchhandel: Wie die Bestellung funktioniert

Eine Buchhandlung, in der ein Kunde nach deinem Buch fragt, tippt Titel oder ISBN in ihr Warenwirtschaftssystem. Das greift auf das VLB und die Kataloge der Barsortimente (Libri, Zeitfracht, Umbreit) zu. Steht dein Titel dort mit lieferbarem Status, kommt die Bestellung beim Barsortiment oder direkt beim Druckdienstleister an, und das Buch liegt meist am nächsten Tag im Laden. Fehlt der VLB-Eintrag, sieht die Buchhändlerin nichts, und die Antwort lautet „Können wir leider nicht bestellen“.

Dieselben Daten nutzen Online-Shops wie Thalia, Hugendubel oder bücher.de. Bibliotheken katalogisieren ebenfalls nach ISBN. Deshalb ist die Kombination aus eigener ISBN und VLB-Eintrag die Grundausstattung für jeden, der mehr als Amazon will. Wie du Buchhandlungen dann aktiv erreichst, steht im Artikel Buchhandel-Vertrieb für Self-Publisher.

Alternative: ISBN und VLB über den Dienstleister

Statt selbst zu kaufen, kannst du die ISBN vom Veröffentlichungsdienst nehmen und den VLB-Eintrag miterledigen lassen. BoD (im Paket Publish enthalten), epubli, tredition und tolino media machen genau das. Der Preis dafür ist die Bindung an den Anbieter und dessen Name im Impressum.

Internationale Distributoren wie Draft2Digital oder IngramSpark vergeben ebenfalls kostenlose ISBNs, melden aber nichts im deutschen VLB. Für den DACH-Buchhandel bringt dir das wenig.

Faustregel: Wann lohnt sich die eigene ISBN?

  • Nur ein Kindle-E-Book: keine ISBN nötig.
  • Ein Buch, nur Amazon, kein Wechsel geplant: KDP-ISBN reicht.
  • Ein Buch bei BoD, epubli oder tredition: Anbieter-ISBN plus VLB-Eintrag des Anbieters.
  • Mehr als ein Buch, mehrere Formate oder mehrere Plattformen: eigenes 10er-Kontingent, VLB-Meldung über den Anbieter oder selbst.
  • Eigener Verlagsname im Impressum: eigene ISBN, egal wie viele Titel.

Wer den letzten Punkt ernst meint, sollte auch den Artikel Eigenen Verlag gründen lesen: Verlagsname, Gewerbe und Steuern hängen zusammen.

Pflichtexemplar: Deutsche Nationalbibliothek und Landesbibliotheken

Wer in Deutschland veröffentlicht, ist nach dem Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek zur Ablieferung verpflichtet, auch als Selfpublisher. Die Regeln:

  • Zwei gedruckte Exemplare, innerhalb einer Woche nach Erscheinen, beide an einen Standort: nach Leipzig, wenn du in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wohnst, sonst nach Frankfurt am Main. Das Porto trägst du.
  • Print-on-Demand-Titel lieferst du zunächst nur digital ab, als sogenannte Netzpublikation über das DNB-Portal. Erst wenn mehr als 25 Exemplare verkauft sind, verlangt die DNB zusätzlich die zwei gedruckten Exemplare.
  • E-Books werden immer digital über das Portal eingereicht, ebenfalls kostenlos.
  • BoD, epubli, tredition und tolino media übernehmen die digitale Ablieferung für ihre Titel. Die gedruckten Exemplare ab 25 Verkäufen schickst du in der Regel selbst.
  • Zusätzlich verlangen die meisten Bundesländer Pflichtexemplare für ihre Landesbibliothek, meist ebenfalls zwei. Welche Bibliothek zuständig ist, richtet sich nach deinem Wohnsitz.

Der Nebeneffekt ist nützlich: Dein Buch steht damit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und ist für Bibliotheken, Wissenschaft und Journalisten dauerhaft nachweisbar. Für Österreich gilt eine vergleichbare Ablieferungspflicht an die Österreichische Nationalbibliothek, in der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht, die Nationalbibliothek bittet aber um freiwillige Abgabe.

Die passende Schritt-für-Schritt-Liste findest du in der Checkliste ISBN beantragen, Fragen zu Metadaten beantwortet die Q&A ISBN und Metadaten.

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