Buch drucken lassen ohne Vertrieb: Kleinauflage aus der PDF

Nicht jedes Buch soll in den Handel. Für 5, 50 oder 200 Exemplare brauchst du keine Plattform, sondern eine Druckerei – und die richtige hängt von der Stückzahl ab.

Die Familienchronik für 30 Verwandte. Der Gedichtband für die Lesung. 100 Vorab-Exemplare für Blogger, bevor das Buch überhaupt eine ISBN hat. In all diesen Fällen willst du eines: eine druckfertige PDF hochladen und gebundene Bücher nach Hause bekommen. Kein Shop, kein Vertrieb, keine Buchpreisbindung, keine Abrechnung.

Genau dafür sind die Self-Publishing-Plattformen nicht gebaut. KDP, BoD, tredition und Co. rechnen mit Verkauf über den Handel, die Druckerei dahinter ist Mittel zum Zweck. Für reinen Druck gibt es drei andere Wege, und sie unterscheiden sich bei den Kosten pro Buch um den Faktor drei.

Drei Wege zum gedruckten Stapel

Privatdruck bei einer Self-Publishing-Plattform. epubli und BoD bieten an, dein Buch nur zu drucken, ohne Veröffentlichung. Du bestellst wie ein Autor seine Autorenexemplare, nur dass das Buch nie in einen Shop kommt. Vorteil: Preise sind ohne Login sichtbar (epubli) oder zumindest einfach zu erreichen, und die Buchhaftigkeit stimmt: Offsetpapier in Weiß oder Creme, Taschenbuchformate, Klebebindung, wie ein Buch aus dem Laden.

Spezialisierte Kleinauflagen-Drucker. Anbieter wie PodBuchdruck aus Trier oder Bookmundo sind auf genau den Bereich 1 bis 250 Exemplare ausgelegt. Preisrechner ohne Anmeldung, viele Buchformate, oft Fadenheftung und Hardcover ab einem Exemplar, persönlicher Ansprechpartner.

Klassische Online-Druckereien. WIRmachenDRUCK, viaprinto, Saxoprint, Onlineprinters. Die drucken alles von der Visitenkarte bis zum Katalog, Bücher sind ein Produkt unter vielen. Bei einem Exemplar sind sie teuer, ab 10 bis 25 Stück oft konkurrenzlos günstig. Der Haken: Standardpapier ist häufig Bilderdruck (glatt, schwer, glänzend oder matt gestrichen) statt Buchpapier, und die Mindestauflagen liegen bei manchen Produkten bei 25 oder 50.

Sechs Anbieter im Vergleich

Referenzbuch: DIN A5, Softcover mit farbigem Umschlag, 200 Seiten Schwarzweiß. Wo der Anbieter diese Konfiguration nicht öffentlich ausweist, steht die nächstliegende Angabe von seiner Website dabei. Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer, abgelesen im September 2026, ohne Gewähr, Rechner ändern sich.

AnbieterSitz / DruckAbStückpreis ReferenzbuchHardcoverProduktionVersand DE
epubli (Privatdruck)Berlin1 Ex.7,39 € (Taschenbuch 12,5 × 19 cm, 200 S.); Staffel 10 % ab 25, 15 % ab 50, 20 % ab 100ab 10,43 €8–10 Arbeitstage2,95 €
BoD PrintNorderstedt / Bad Hersfeld1 Ex.„ab 2,05 €"; konkrete Preise erst im Rechner nach LoginjaPaperback 3–5, Hardcover 9–12 Werktagenicht ausgewiesen
PodBuchdruckTrier1 Ex. (bis 250)9,87 € (1 Ex.), 8,39 € (10), 7,40 € (50), 6,91 € (100); 90 g Offset14,44 € (1 Ex.), 10,11 € (100)3–7 Werktage7,95 € pauschal
BookmundoRotterdam (NL), Drucknetz1 Ex.5,94 € (1 Ex.), 4,71 € (10), 4,53 € (50) bei 150 S., cremeweißja4–5 Werktageca. 4,99 €
WIRmachenDRUCKBacknang1 Ex.20,00 € (1 Ex.), 3,67 € (10), 2,57 € (50), 2,51 € (100); 115 g Bilderdruck matt27,25 € (1 Ex.), 5,96 € (100)im Bestellvorgang, Express möglichkostenlos
viaprintoMünster1 Ex.; s/w-Handbuch ab 504,82 € (50 Ex.), 4,08 € (100) bei A5, 96 S., 90 g Offsetja, bis 300 S.wenige Werktage, Overnight möglichkostenlos

Nicht in der Tabelle: Saxoprint (Dresden) führt Softcover-Bücher als „Broschüre mit Klebebindung" ab 25 Stück, Hardcover ab 1, zeigt aber ohne Konfiguration keine Preise. Onlineprinters nennt für ein einzelnes Hardcover mit 60 Seiten 48,82 Euro und wird erst ab 50 bis 100 Exemplaren interessant. tredition hat keinen reinen Druckservice, jedes Buch bekommt dort automatisch eine ISBN.

Was die Zahlen bedeuten

Rechne immer den Gesamtbetrag inklusive Versand, nicht den Stückpreis. Dann kippt das Bild je nach Menge.

Ein Exemplar, etwa ein Probedruck, bevor du das Buch veröffentlichst: epubli 7,39 Euro plus 2,95 Euro Versand, macht 10,34 Euro. PodBuchdruck 9,87 plus 7,95 Euro Pauschale, macht 17,82 Euro. WIRmachenDRUCK 20 Euro. Die Plattform gewinnt, die Online-Druckerei verliert, weil ihr Einzelstück die Rüstkosten allein trägt.

Zehn Exemplare: WIRmachenDRUCK 36,74 Euro gesamt. Bookmundo rund 52 Euro (bei 150 Seiten). epubli 76,85 Euro. PodBuchdruck 91,85 Euro. Ab hier ist die Online-Druckerei halb so teuer wie der Spezialist.

Hundert Exemplare: WIRmachenDRUCK 251 Euro. epubli mit 20 Prozent Staffelrabatt rund 594 Euro. PodBuchdruck 699 Euro. Das ist der Faktor drei aus dem ersten Absatz.

Faustregel: Bis 5 Exemplare Privatdruck bei epubli oder BoD. Von 10 bis 250 Exemplaren eine Online-Druckerei, wenn dir Bilderdruckpapier reicht, sonst ein Kleinauflagen-Spezialist mit Offsetpapier. Ab etwa 300 bis 500 Exemplaren lohnt sich ein Angebot für Offsetdruck bei einer Buchdruckerei.

Warum der billigste Preis nicht immer das bessere Buch ist

Der Preisvorteil von WIRmachenDRUCK hat einen Grund, den die Tabelle nur in einer Zelle zeigt: 115 Gramm Bilderdruck matt. Das ist Papier für Broschüren und Kataloge. Es ist glatt, schwer und leicht durchscheinend, ein 200-Seiten-Roman darauf wiegt deutlich mehr als ein Taschenbuch aus dem Buchhandel und fühlt sich auch so an. PodBuchdruck, epubli, BoD und Bookmundo drucken auf 80 bis 90 Gramm Offset in Weiß oder Cremeweiß, dem Papier, das Leser von Büchern kennen. Bei viaprinto bekommst du Offsetpapier nur im Produkt „Handbücher", und das erst ab 50 Stück.

Für einen Fotoband oder ein Kochbuch mit vielen Abbildungen ist Bilderdruck die richtige Wahl. Für Text ist es die falsche. Wer bei einer Online-Druckerei bestellt, sollte im Konfigurator gezielt nach 80 oder 90 Gramm Offset oder „Naturpapier" suchen; das gibt es dort meist auch, nur nicht als Standard.

Zweiter Punkt: die Bindung. Klebebindung ist überall Standard und für Taschenbücher völlig in Ordnung. Fadenheftung, bei der die Bögen genäht statt nur geleimt werden, bieten PodBuchdruck und viaprinto ab einem Exemplar, WIRmachenDRUCK ab fünf. Für ein Hardcover, das aufgeschlagen liegen bleiben soll, oder ein Buch, das Jahrzehnte halten soll, ist das den Aufpreis wert.

Worauf du vor der Bestellung achtest

  • Datencheck. Einen automatischen Basis-Check (Seitenzahl, Beschnitt, Auflösung) machen die meisten Anbieter beim Upload. Einen manuellen Profi-Check verkaufen Saxoprint und viaprinto extra, um die zehn Euro. Beim ersten Buch ist das gut angelegt.
  • Cover als eine Datei. Anders als bei KDP musst du Umschlag, Rücken und Rückseite als eine PDF mit Beschnitt liefern. Die Rückenbreite hängt von Seitenzahl und Papier ab; jede Druckerei hat dafür einen Rechner oder eine Vorlage. Was sonst ins Cover gehört, steht in Buchcover gestalten.
  • Erst eins, dann alle. Wo die Rüstkosten für ein Einzelstück verkraftbar sind (epubli, Bookmundo, PodBuchdruck), bestellst du zuerst ein Exemplar. Bei WIRmachenDRUCK kostet der Probedruck 20 Euro, die Hauptbestellung von 50 Stück 129 Euro. Auch dann ist der Probedruck billiger als 50 Bücher mit Tippfehler auf dem Rücken.
  • Lieferzeit realistisch einplanen. epubli braucht 8 bis 10 Arbeitstage, BoD für Hardcover bis zu 12. Für die Lesung nächste Woche bleiben nur die Druckereien mit Express.

Wann du doch die Plattform nimmst

Wenn das Buch später ohnehin verkauft werden soll, dreht sich die Rechnung. Autorenexemplare bei KDP kosten nur die Druckkosten, für ein A5-Taschenbuch mit 200 Seiten in Schwarzweiß sind das rund 3,50 Euro plus Versand. Bei BoD und epubli bekommst du Autorenexemplare ebenfalls mit Rabatt. Für 20 Lesungsexemplare eines Buches, das schon auf Amazon steht, ist eine separate Druckerei also meist überflüssig.

Der umgekehrte Fall ist genauso klar. Ein Buch, das nie verkauft wird, braucht keine ISBN, keinen Buchhandelsvertrieb und keine Plattform mit Nutzungsbedingungen. Es braucht eine PDF, ein Cover und eine Druckerei, die zur Stückzahl passt. Die Tabelle oben sagt dir, welche das ist.

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