Eigenen Verlag gründen: Was Selbstverlag wirklich bedeutet

Gewerbe, Verlagsnummer, ISBN, VLB – die vier Schritte zum eigenen Label und was sie kosten.

Die kurze Wahrheit vorweg: Für das Veröffentlichen eigener Bücher brauchst du keinen gegründeten Verlag. Mit Amazon KDP, BoD oder tredition veröffentlichst du heute in Tagen – rechtlich bist du dabei ohnehin schon dein eigener Verleger. Trotzdem hat der Schritt zum eigenen Verlagslabel handfeste Gründe: Unabhängigkeit, Buchhandels-Glaubwürdigkeit und volle Kontrolle über die eigene ISBN.

Selbstverlag, Eigenverlag, Kleinverlag – was ist was?

Selbstverlag und Eigenverlag meinen dasselbe: Du veröffentlichst deine eigenen Bücher unter eigenem Namen oder Label – genau das, was Self-Publishing ist, nur mit deutschem Etikett. Ein Kleinverlag ist etwas anderes: Er verlegt auch Bücher fremder Autoren, mit Verlagsverträgen, Honoraren und unternehmerischem Risiko. Die meisten, die „Verlag gründen“ googeln, wollen in Wahrheit einen professionellen Selbstverlag – und der ist deutlich einfacher zu haben.

Selbstverlag aufbauen: die vier Schritte

1. Verlagsname wählen. Er darf keine bestehenden Marken oder Verlagsnamen verletzen – prüfe Handelsregister, Markenregister (DPMA) und schlicht Google. Der Name erscheint später im Impressum, im VLB und auf jeder Buchrückseite.

2. Gewerbe anmelden. Das reine Schreiben ist freiberuflich. Wer aber als Verlag auftritt und Bücher produziert und vertreibt, handelt in aller Regel gewerblich – die Anmeldung beim Gewerbeamt kostet je nach Gemeinde eine geringe Gebühr und ist in Minuten erledigt. Die steuerlichen Folgen (Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuer, Gewinnermittlung) erklärt der Artikel Self-Publishing und Steuern; im Zweifel gehört die Einordnung freiberuflich/gewerblich mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater geklärt.

3. Verlagsnummer und ISBNs besorgen. Beim deutschen ISBN-Vergabesystem der MVB registrierst du dich als Verlag: Die Verlagsnummer kostet einmalig 146 Euro, ein Paket mit 10 ISBNs rund 27 Euro dazu – deutlich günstiger pro Titel als Einzel-ISBNs für je etwa 90 Euro. Ab dann trägt jedes deiner Bücher dein eigenes Verlagskürzel statt dem einer Plattform. Den kompletten Ablauf zeigt ISBN beantragen.

4. Ins VLB eintragen. Mit dem Eintrag im Verzeichnis lieferbarer Bücher ist dein Titel für jede Buchhandlung bestellbar – unter deinem Verlagsnamen. Wie du den Buchhandel darüber hinaus aktiv erreichst, steht im Artikel Buchhandel-Vertrieb.

Pflichten nicht vergessen: Als Verleger legst du den gebundenen Ladenpreis fest (Buchpreisbindung), dein Buch braucht ein vollständiges Impressum mit ladungsfähiger Anschrift, und an die Deutsche Nationalbibliothek gehen Pflichtexemplare.

Und der echte Kleinverlag?

Wer fremde Autoren verlegen will, betritt eine andere Liga: Verlagsverträge, Honorarabrechnungen, Vorfinanzierung von Lektorat, Cover und Druck – pro Titel schnell ein vierstelliger Betrag, den erst künftige Verkäufe wieder einspielen müssen. Dazu kommt die Verantwortung gegenüber Menschen, die dir ihr Manuskript anvertrauen. Faustregel: Erst den eigenen Selbstverlag über zwei, drei Titel professionell betreiben – wer dann noch Verleger werden will, weiß wenigstens, was der Job kostet.

Zwei häufige Missverständnisse

„Für KDP brauche ich doch keinen Verlag?“ Stimmt – und einen Handelsregistereintrag brauchst du als Einzelunternehmer ebenfalls nicht. Der Selbstverlag ist kein Rechtsformwechsel, sondern zunächst nur ein Gewerbe plus eigene Verlagsnummer. „Mit eigenem Verlag nimmt mich der Buchhandel ernst.“ Nur bedingt: Buchhändler bestellen, was Kunden nachfragen oder was eine Vertreterin ihnen zeigt – das Verlagslogo allein stellt kein Buch ins Regal. Der eigentliche Gewinn ist Unabhängigkeit, nicht Prestige.

Lohnt sich das Ganze?

Für Autoren mit einem einzelnen Buchprojekt: meist nein – Plattform-ISBN nutzen, veröffentlichen, Erfahrungen sammeln. Für alle, die mehrere Titel planen und langfristig im Buchmarkt bleiben wollen: ja. Der eigene Verlagsname kostet einmalig unter 200 Euro Grundausstattung und macht dich unabhängig von jeder Plattform – du kannst jederzeit wechseln, ohne ISBNs und Buchhandelseinträge zu verlieren. Welche Plattform dann druckt und ausliefert, klärt der Anbieter-Vergleich.

← Zurück zur Wissens-Übersicht