Buchsatz: Innenlayout für Taschenbuch und Hardcover

Format, Satzspiegel, Schrift, Titelei, Werkzeug, Druck-PDF: Was ein Buchblock braucht, damit das Buch nicht nach Word-Ausdruck aussieht.

Format und Seitenzahl zuerst

Buchsatz beginnt nicht in Word, sondern mit zwei Entscheidungen: dem Buchformat und dem Papier. Beides bestimmt die Seitenzahl, die Seitenzahl bestimmt die Druckkosten und die Rückenbreite des Covers. Die gängigen Formate im deutschen Self-Publishing:

FormatMaßTypisch fürSeiten je 1.000 Wörter
Taschenbuch klein12 × 19 cmBelletristik, Serienrund 4,5
Taschenbuch groß / KDP 5 × 8 Zoll12,7 × 20,3 cmBelletristik, Amazon-Standardrund 4
13,5 × 21,5 cm (BoD/tredition-Standard)13,5 × 21,5 cmRomane, Sachbuchrund 3,5
A5 / KDP 6 × 9 Zoll14,8 × 21 cm / 15,2 × 22,9 cmSachbuch, Ratgeberrund 3
17 × 24 cm und größerGroßformatFachbuch, Bildband (teurer im Druck)rund 2,5

Ein 80.000-Wörter-Roman hat in 12 × 19 cm rund 360 Seiten, in A5 rund 240. Beides ist legitim; das kleine Format wirkt im Regal wie ein Verlagstaschenbuch, das große drückt die Druckkosten (bei KDP 0,012 Euro je Seite, also 1,44 Euro Unterschied). Bleib innerhalb eines Anbieters bei dessen Standardformaten; Sonderformate kosten Aufpreis oder sind nicht lieferbar. Was der Druck kostet, rechnet der KDP-Tantiemenrechner.

Satzspiegel und Ränder

Der Satzspiegel ist die bedruckte Fläche. Faustwerte für ein Taschenbuch: innen (am Bund) 18 bis 20 mm, außen 15 mm, oben 18 mm, unten 20 mm; der Innenrand ist größer, weil die Bindung Fläche schluckt. KDP schreibt Mindestinnenränder nach Seitenzahl vor: 9,6 mm bis 150 Seiten, 12,7 mm bis 300, 15,9 mm bis 500, 19 mm bis 700 Seiten; außen mindestens 6,4 mm ohne und 9,5 mm mit Beschnitt. BoD und tredition liegen in derselben Größenordnung und liefern Vorlagen zum Herunterladen.

Beschnitt (3 mm Anschnitt an den Außenkanten) brauchst du nur, wenn Bilder oder Farbflächen bis an den Seitenrand laufen. Reiner Text wird ohne Beschnitt angelegt. Satzspiegel gelten spiegelbildlich für linke und rechte Seiten; in Word heißt das „Gegenüberliegende Seiten“ mit Bundsteg, in InDesign und Affinity Publisher sind Doppelseiten der Standard.

Schrift, Größe, Zeilenabstand

Fließtext in Büchern ist seit zweihundert Jahren Serifenschrift, weil sie bei langen Texten die Zeile führt. Bewährt und kostenlos lizenzierbar: EB Garamond, Crimson Pro, Libre Baskerville, Source Serif; gekauft: Minion Pro, Sabon, Adobe Garamond. Schriftgröße 10 bis 11,5 Punkt bei 12 × 19 cm, 11 bis 12 Punkt bei A5; Zeilenabstand 120 bis 140 Prozent der Schriftgröße (also 13 bis 15 Punkt bei 11 Punkt Schrift). Eine Zeile sollte 55 bis 75 Zeichen fassen; mehr ermüdet, weniger zerreißt den Blocksatz.

Blocksatz mit Silbentrennung ist Standard, Flattersatz nur bei Lyrik und manchen Sachbüchern. Ohne automatische Silbentrennung entstehen im Blocksatz Löcher; in Word also „Silbentrennung automatisch“ einschalten und die Zone auf 0,5 cm setzen. Absätze beginnen mit Einzug (etwa eine Geviertbreite, 4 mm), ohne Leerzeile dazwischen; Leerzeilen markieren Szenenwechsel. Anführungszeichen sind die deutschen „…“ oder »…«, Gedankenstriche Halbgeviertstriche mit Leerzeichen, Auslassungspunkte ein Zeichen (…). Prüfe die Lizenz jeder Schrift: Viele kostenlose Fonts erlauben den Buchdruck, manche nur Bildschirmnutzung (siehe Urheberrecht, Zitate und Bildrechte).

Titelei, Kapitel, Kolumnen

Ein Buch beginnt rechts. Seite 1 ist der Schmutztitel (nur der Titel), Seite 2 leer oder Werkverzeichnis, Seite 3 der Haupttitel mit Autor und Verlag, Seite 4 das Impressum (was hineingehört), dann Widmung, Inhaltsverzeichnis und der erste Kapitelanfang, wieder auf einer rechten Seite. Kapitel beginnen traditionell rechts, bei Print-on-Demand ist auch „beginnt auf der nächsten Seite“ üblich, weil leere Seiten Druckkosten verursachen. Kapitelanfänge setzen ein Drittel tiefer als der Satzspiegel beginnt und ohne Kolumnentitel.

Kolumnentitel (Autor links, Buch- oder Kapiteltitel rechts) und Seitenzahlen stehen außerhalb des Satzspiegels, auf Vakatseiten und Kapitelanfängen entfallen sie. Zu vermeiden: Hurenkinder (letzte Absatzzeile allein oben auf der Seite) und Schusterjungen (erste Absatzzeile allein unten); Word steuert das über „Absatzkontrolle“, Satzprogramme über Umbruchregeln. Gleiche Grundlinie auf beiden Seiten einer Doppelseite (Registerhaltigkeit) ist die Kür, die Leser nicht bemerken, aber spüren.

Werkzeuge: Word bis InDesign

WerkzeugPreisStärkeGrenze
Word / LibreOffice0–100 €Vorhanden, Vorlagen der Anbieter nutzbarRegisterhaltigkeit und Feinsatz nur mit Mühe, PDF-Export mit Schrifteinbettung prüfen
Papyrus Autorrund 200 €Schreiben und Satz in einem, deutsche TypografieWeniger Layoutfreiheit bei Bildern
Atticus147 $E-Book und Print aus einer Datei, Browser-AppVorlagen vorgegeben, Export nur online
Vellum250 $Schönste Vorlagen für BelletristikNur Mac, kaum einstellbar
Affinity Publisherrund 75 € einmaligProfisatz zum Einmalpreis, Doppelseiten, GrundlinienrasterEinarbeitung nötig
Adobe InDesignAbo ab rund 25 €/MonatBranchenstandard, jede Druckerei nimmt die DatenAbo, Einarbeitung

Für einen reinen Textroman reichen Word mit der Anbietervorlage oder Atticus; wer regelmäßig veröffentlicht, spart mit Affinity Publisher oder Papyrus auf Dauer Zeit. Externer Buchsatz kostet 150 bis 500 Euro je Titel (Kostenübersicht). Tabellen, Fußnoten und viele Bilder sprechen für einen Profi oder ein Satzprogramm; in Word werden sie beim PDF-Export gern zur Fehlerquelle.

Druck-PDF erzeugen und prüfen

  1. Seitenformat im Dokument exakt auf das Buchformat setzen, nicht auf A4 mit Rahmen.
  2. PDF exportieren mit eingebetteten Schriften (Word: „PDF/A“ oder „ISO 19005-1“ aktivieren; Satzprogramme: PDF/X-1a oder PDF/X-4), Bilder mit 300 dpi, Schwarz als reines Schwarz.
  3. Seitenzahl des PDFs prüfen: Sie muss zur Rückenbreite des Covers passen, die der Anbieter aus Seitenzahl und Papier berechnet (KDP Cover Calculator, BoD Umschlagrechner).
  4. Vorschau im Anbieterkonto durchblättern: Satzspiegel, Kolumnen, Kapitelanfänge, Sonderzeichen.
  5. Autorenexemplar bestellen und mit Lineal nachmessen, bevor du freischaltest. Ein Innenrand, der am Bildschirm großzügig wirkt, ist im gebundenen Buch oft zu knapp.
Faustregel: Was ein Leser als „sieht aus wie Verlag“ wahrnimmt, sind drei Dinge: Serifenschrift in angemessener Größe, sauberer Blocksatz mit Silbentrennung und genug Innenrand. Alles andere ist Kür.

Die Schritte für die E-Book-Ausgabe desselben Manuskripts stehen in E-Book erstellen; dort gelten andere Regeln, weil der Reader den Umbruch selbst bestimmt.

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