Jutoh: E-Book-Software für Windows, Mac und Linux

Word-Datei rein, Kindle- und ePub-Datei raus – und das einmalig bezahlt, ohne Abo.

Was Jutoh ist und was es kann

Jutoh ist eine Desktop-Software zum Erstellen und Bearbeiten von E-Books. Kein Online-Tool, keine Cloud, kein Abo: Du installierst sie auf deinem Rechner und arbeitest lokal. Das Programm stammt von Anthemion Software, einem britischen Kleinstunternehmen, das Jutoh seit 2009 entwickelt und seit 2023 in der aktuellen Hauptversion 3 anbietet.

Die Kernaufgabe ist klar: Du bringst dein Manuskript in ein sauberes, plattformkonformes E-Book-Format. Wer je versucht hat, ein Word-Dokument direkt bei Amazon hochzuladen und dabei gemerkt hat, was dabei alles schieflaufen kann, versteht warum das ein eigenes Werkzeug braucht.

Jutoh läuft auf Windows, Mac und Linux – eine Kombination, die in dieser Kategorie nicht selbstverständlich ist. Wer Linux nutzt, hat kaum Alternativen auf diesem Niveau.

Import und Export: Die Formate im Überblick

Jutoh liest Word-Dateien (.docx), OpenDocument (.odt), vorhandene ePub-Dateien sowie einfache Textdateien ein. Beim Import erkennt es Kapitelstruktur, Bilder, Tabellen und Word-Feldfunktionen und zerlegt das Dokument in einzelne Kapitel-Dokumente.

Ausgabeformate:

  • Kindle – das proprietäre Amazon-Format für KDP-Uploads
  • ePub 2 und ePub 3 – der Industriestandard für Apple Books, Kobo, Tolino und alle anderen
  • ODT – als Zwischenschritt zur PDF-Erzeugung über LibreOffice
  • HTML, Markdown, CBZ – für Webpublikationen und Comicformate
  • MP3 – Jutoh kann Text-to-Speech-Ausgaben erzeugen, nützlich für schnelle Hörproben

Der ePub-3-Export schreibt dabei sauberen, validierten Code – kein aufgeblähtes Markup wie es Word oder Google Docs hinterlassen. Das ist genau das, was Plattformen wie Apple Books erwarten.

Faustregel: Wenn dein E-Book auf mehr als zwei Plattformen soll, lohnt sich ein Werkzeug wie Jutoh. Direkt aus Word hochzuladen funktioniert bei Amazon halbwegs – bei ePub-basierten Plattformen bekommst du oft Formatierungsprobleme, die du nur mit dem Quellcode lösen kannst.

Der Editor und seine Werkzeuge

Jutoh ist kein reiner Konverter – du kannst das Buch direkt darin bearbeiten. Der Editor unterstützt Absatz- und Zeichenstile (ähnlich wie Formatvorlagen in Word), ein Inspector-Tool zur Analyse einzelner Elemente, Suchen & Ersetzen, automatische Inhaltsverzeichnisse, Fußnoten, Indizes und Bibliografien.

Besonders nützlich: der Check-Befehl. Jutoh analysiert das fertige Buch vor der Ausgabe und meldet Probleme – zu große Bilder, unaufgelöste Links, nicht standardkonforme Schriftgrößen, Farbformatierungen, die auf Schwarz-Weiß-Readern schwer lesbar sind. Seit Version 3 prüft Jutoh auch Barrierefreiheit nach den Anforderungen des European Accessibility Act, der seit Juni 2025 für neue E-Books in der EU gilt.

Wer nicht nur konvertieren, sondern auch planen will: Jutoh bringt ein Storyboard für die Romanplanung mit, dazu Schreibziele (Wortzahl-Tracking), Schreibprompts und einen Namensgenerator. Das ist kein Killer-Feature gegenüber Scrivener – aber praktisch, wenn man ohnehin in Jutoh arbeitet.

Preis und Versionen

Jutoh kostet einmalig. Kein Abo, keine Jahreszahlung, keine Gebühr pro Buch.

Version Preis (excl. MwSt) Besonderheit
Standard 45 USD / 35 GBP / 40 EUR Alle Kernfunktionen, unbegrenzte Bücher
Plus 90 USD / 70 GBP / 80 EUR Zusätzlich: Scripting, HTML-Templates, Kommandozeilen-Automatisierung, Massen-Personalisierung
Upgrade von v1/v2 20 USD / 15 GBP / 18 EUR Für bestehende Nutzer der Vorgängerversion

Für die meisten Self-Publisher reicht die Standard Edition. Plus lohnt sich, wenn du Bücher automatisiert in Varianten produzierst – zum Beispiel personalisierte Ausgaben oder Batch-Prozesse für Verlage.

Mitglieder der Alliance of Independent Authors (ALLi) oder des Selfpublisher-Verbands e.V. erhalten 25 % Rabatt – dann kostet Standard rund 34 USD.

Vor dem Kauf gibt es eine vollständige Demo-Version zum Download. Sie ist in der Buchgröße begrenzt, aber vollständig funktionsfähig – so kannst du prüfen, ob Jutoh zu deinem Workflow passt.

Für wen lohnt sich Jutoh?

Jutoh ist keine Einsteigersoftware. Wer sein erstes E-Book veröffentlicht und keine besonderen Formatierungsansprüche hat, ist mit Calibre (kostenlos) oder dem direkten KDP-Upload oft schneller. Jutoh entfaltet seinen Wert, wenn du wiederholt publizierst, saubere Quelldateien brauchst, oder auf mehreren Plattformen gleichzeitig sauber formatiert sein willst.

Jutoh lohnt sich, wenn du:
  • mehrere Bücher pro Jahr veröffentlichst
  • Wert auf validierten, sauberen ePub-Code legst
  • auf Linux arbeitest und professionelle Werkzeuge brauchst
  • ePub 3 mit Barrierefreiheits-Metadaten (EAA) erzeugen musst
  • Konversionen automatisieren willst (Plus-Version)
Jutoh lohnt sich weniger, wenn du:
  • nur ein einzelnes Buch veröffentlichst
  • ausschließlich bei Amazon (KDP) publishst und keine anderen Plattformen brauchst
  • Vellum (Mac) oder Atticus bereits nutzt und zufrieden bist

Das Urteil ist klar: Für alles, was über gelegentliche Einzelveröffentlichungen hinausgeht, ist Jutoh 45 Dollar gut investiert. Die Einmalzahlung amortisiert sich nach einem einzigen Buch – allein wegen der Zeit, die du nicht mit manuellen Formatierungskorrekturen verbringst.

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